Rothaargebirge

Erstmals wieder Wisent-Baby in freier Wildbahn geboren

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Erster Nachwuchs seit einem Jahrhundert: Eine freilebende Wisentkuh hat ein Kalb im Rothaargebirge zur Welt gebracht.

Bad Berleburg - Mehr als ein Jahrhundert lang hat es in Deutschland keine freilebenden Wisente gegeben. Im April ist die erste Herde im Rothaargebirge ausgewildert worden - nun gibt es Nachwuchs.

In Deutschland ist nach Angaben von Artenschützern erstmals seit Jahrhunderten wieder ein Wisent in freier Wildbahn zur Welt gekommen. Die Leitkuh einer Herde, die Anfang April im Rothaargebirge freigelassenen wurde, habe am 5. Mai ein Kalb zur Welt gebracht, berichtete die Wisent-Welt Wittgenstein am Dienstag in Bad Berleburg (Kreis Siegen-Wittgenstein).

Der Nachwuchs sei „putzmunter“, sagte Ranger Jochen Born. Spaziergänger, die den scheuen Tieren zufällig begegneten, sollten aber besonderen Abstand halten. Denn die Mutter schütze ihr Kalb instinktiv. Das Junge ist das fünfte Tier, das in dem Artenschutzprojekt geboren wurde. Deshalb bekam es den Namen „Quintus“. Vier Wisente waren zuvor noch in Gefangenschaft zur Welt gekommen. Insgesamt neun Wisente leben nun in freier Wildbahn im Rothaargebirge. Eine weitere Herde lebt in einem Schaugehege.

Die freilebenden Wisente hätten sich inzwischen einen Bereich von 2000 bis 2500 Hektar erschlossen, sagte Johannes Röhl von dem Trägerverein Wisent-Welt. „Sie lassen sich sogar etwas häufiger sehen als wir erwartet haben.“ Mehrfach hätten Mountainbiker oder Wanderer die Herde beim Äsen beobachten können.

Die Wisent-Welt überwacht die Herde mit wissenschaftlicher Unterstützung. Zwei der Tiere sind mit GPS-Sendern ausgestattet, so dass man ihre Bewegungen nachvollziehen kann. „Sie sind rund um die Auswilderungsfläche unterwegs“, sagte Röhl. Es gebe einige Täler, die die Herde als Futterflächen bevorzuge.

Früher waren Wisente in weiten Teilen Europas heimisch. Vor 90 Jahren wäre die Bison-Art fast verschwunden, es gab nur noch ein Dutzend Exemplare in Zoos und Wildgehegen. Mit bis zu drei Metern Länge und knapp zwei Metern Schulterhöhe können die Pflanzenfresser fast eine Tonne schwer werden. Für Spaziergänger und Waldbesucher gelten die ausgewilderten scheuen Tiere nicht als gefährlich.

dpa

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