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Exotische Haustiere liegen im Trend

- Bello, Pfiffi oder Minka haben fast ausgedient: Gefragt sind bei Haustierhaltern Exoten wie Graupapageien, Schildkröten oder Schlangen. Einfach in der Anschaffung, schwierig in der Haltung landen Echsen oder Aras oft in Auffangstationen.

Ein Schuss tierischer Exotik: Während früher vor allem Hunde, Katzen oder Kaninchen die Wohnzimmer zwischen Elbe und Oder bevölkerten, sind es heute oftmals Papageien, Reptilien oder wirbellose „Spielkameraden“ wie Spinnen. „Es gibt sogar Fälle, da halten sich Leute echte Raubtiere wie afrikanische Servale“, berichtet Frank Plücken vom Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz.

Absolutes Zahlenmaterial, wie viele exotische Tiere von Privatleuten in der Mark gehalten werden, gibt es laut Stephan Nickisch vom Umweltministerium nicht: Es sind nur Tiere meldepflichtig, die nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen (WA) unter Schutz gestellt sind. „Skorpione und manche Giftschlangen fallen nicht darunter und sind somit nicht erfasst“, ergänzt Plücken.

Für gefährliche Exoten soll sich nach Willen des Umweltministeriums die Rechtslage in Zukunft ändern.

Das Ministerium steht dazu mit dem Innenressort in Kontakt. Angedacht sind Haltungsverbote für Privatleute sowie sogenannte Genehmigungsvorbehalte. Das heißt: ohne vorheriges Okay vom Amt kein Kauf. Berlin hat eine solche Rechtsverordnung. In Brandenburg gibt es bisher gesetzliche Regelungen nur für Kampfhunde.

„Wir haben in der Mark mehr als 8000 Züchter und Halter, die ihren Schwerpunkt bei Papageien, Singvögeln, Greifen und Eulen, Landschildkröten sowie bei Echsen und Schlangen haben“, sagt Plücken. Erfasst seien mehr als 82.000 Exoten. Im Jahr 2010 wurden rund 1300 Tiere neu angemeldet.

Eine gewisse Dunkelziffer sei aber einzukalkulieren. Sich heutzutage illegale Tiere zu besorgen, sei „ein Kinderspiel“. So sei beispielsweise die Madagassische Strahlenschildkröte bei „Tierliebhabern“ heiß begehrt, erzählt Plücken. Für rund 2000 Euro gehe ein erwachsenes Tier schon mal über den Ladentisch, nicht selten auch über Internetkäufe. „Etwas billiger gibt es die ohne Papiere; Schmuggeltiere, Wildfänge - die dem Naturbestand dann in Madagaskar fehlen.“

Natürlich rückt das Landesumweltamt regelmäßig zu Kontrollen aus. In den vergangenen Jahren konnten immer wieder illegale Machenschaften und Handelswege über Mittelsmänner und angebliche Züchter aufgedeckt werden, sagt Plücken. Diesem Treiben gänzlich das Handwerk zu legen, sei fasst unmöglich. „Letztlich hat es jeder Einzelne in der Hand, ob er durch seine Kaufentscheidung zum Artenaussterben oder zum Arterhalt beiträgt“, erklärte Umweltministerin Anita Tack (Linke) unlängst.

Jedoch sei noch lange nicht alles gut, wenn Exoten in Deutschland gezüchtet würden. „Das hat bei verschiedenen Papageienarten dazu geführt, dass der Markt überschwemmt wurde und Gelbbauch-Aras schon für 400 Euro verkauft werden“, sagt Rita Ohnhäuser aus Groß Ziethen (Dahme-Spreewald). Sie betreibt eine Auffangstation für gestrandete Papageien.

Besonders wütend machten sie Leute, die sich ohne nachzudenken, solche Vögel zulegten. „Aras haben eine Flügelspannweite von einem Meter. Die wollen auch mal fliegen“, betont sie. Erst kürzlich seien ihr zwei „Gelbbäuche“ in einem Karton vor die Tür gestellt worden. Der Besitzer habe beide Vögel „für einen Apfel und ein Ei“ gekauft. Weil er keinen anständigen Käfig hatte, seien ihm die Tiere ausgebüxt und in der Wohnung herumgeflattert, berichtet Ohnhäuser. Wieder eingefangen wurden sie angekettet und machten zuviel Spektakel in der Mietwohnung.

„Aber Achtung, auch viele Papageienarten stehen unter Schutz und müssen angemeldet werden. Missbrauch kann Strafen nach sich ziehen“, betont Frank Plücken. Jedoch würden Verstöße in Deutschland oftmals noch als „Kavaliersdelikte“ behandelt. Die Tiere könnten beschlagnahmt werden. Mehr sei aber derzeit nicht möglich. Da müsste nachgebessert werden, wünscht sich Plücken.

dpa

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