Für die Sicherheit

In Finnland leuchten die Rentiere

+
Leuchtende Rentier-Geweihe sollen Unfälle vermeiden.

Stockholm - Rentiere mit leuchtenden Kronengeweihen auf den Köpfen, das ist selbst kurz vor Weihnachten ungewöhnlich. Doch in Nordfinnland gibt es gleich 500 davon. Die Tiere leben alle in der Nähe des Ortes Rovaniemi und sollen Unfälle vermeiden.

Insgesamt gibt es rund 200 000 Rentiere in den finnischen Gebieten Lapplands. Der jährliche Umsatz durch Fleisch, Leder, Fell oder den Tourismus liege bei insgesamt rund 860 Millionen Euro (1 Milliarde Franken), erklärt Anne Ollila vom Rentierzuchtverband. Weil es so viele Rentiere gibt, kommt es selbst im eher dünn besiedelten Lappland häufig zu Verkehrsunfällen. Laut Statistik sind im Jahr 3000 bis 5000 Straßenunfällen auf Rentiere zurückzuführen.

Also hatte der Rentierzuchtverband die Idee mit den leuchtenden Geweihen. „Wir haben schon im Oktober begonnen, die Geweihe der 500 Rentiere mit Leuchtfarbe zu bemalen. Wir sind da, meines Wissens, die Einzigen weltweit“, sagt Mitarbeiterin Anne Ollila stolz. Wobei derzeit nur die Weibchen im Dunklen leuchten. Denn nur sie tragen auch im Winter ihre Geweihe. Während einer ersten Testphase mit rund 20 Tieren stellten die Rentierzüchter fest, dass die Vierbeiner frühzeitig gut sichtbar werden, wenn sie sich auf eine Landstraße verirren.

Die Sorge von Tierschützern, dass Rentiere mit leuchtendem Geweih wegen ihrer Andersartigkeit aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden könnten, habe sich im Versuch als unbegründet erwiesen. Zudem hat der Züchterverband festgestellt, dass hungrige Wölfe und Bären im finnischen Wald auf die optische Veränderung ihrer potentiellen Opfer nicht mit vermehrten Angriffen reagieren. „Wir vermuten, die Tiere nehmen die Leuchtfarbe gar nicht wahr“, meint Ollila.

Dennoch ist die Idee, Tiere zum Leuchten zu bringen, nicht ganz neu. Erst im April 2013 erregten Genforscher aus Uruguay Aufsehen, die leuchtende Schafe entwickelten, die dem Hirten die Arbeit erleichtern sollten. Die Tiere wurden mit dem phosphoreszierenden Erbgut von Quallen angereichert.

Den finnische Farbstoff, der ursprünglich für Jacken und Fahrräder entwickelt wurde, stammt von der schwedischen Firma Trackinvest. Und die wittert jetzt ein deutlich größeres Potenzial: Sollte der Pilotversuch zum Erfolg werden, stellt man sich bei Trackinvest bereits vor, demnächst auch das Wild in Mitteleuropa zum Leuchten zu bringen, um hierzulande Unfälle mit Wildtieren zu verhindern.

Von André Anwar

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare