Hunde in Aktion

Fledermäusen auf der Spur

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Nicht nur Vögeln, auch Fledermäusen können Windenergieanlagen zum Verhängnis werden.

Hannover - Nicht nur Vögeln, auch Fledermäusen können Windenergieanlagen zum Verhängnis werden. Wie groß die Gefahr an einem Standort ist, bestimmen Gutachter. Speziell ausgebildete Hunde können dabei helfen.

Schwierige Bedingungen für Terrier Fina: Kaum ein Lüftchen weht auf dem Feld. Finas Aufgabe: tote Fledermäuse aufspüren. Noch trainiert Kerstin Pankoke aus Schneverdingen in Niedersachsen mit Fina, künftig soll der Terrier der Gutachterin bei der Arbeit helfen. Zu Pankokes Aufträgen zählt, unter Windrädern nach sogenannten Schlagopfern zu suchen - das sind Fledermäuse, die von den Rotorblättern getötet wurden. „Hunde finden die Schlagopfer in jedem Fall besser als Menschen“, sagt sie und beruft sich auf internationale Studien wie die des US-Amerikaners Edward Arnett.

Schon wenn ein Standort für Windmühlen festgelegt wird, verlangen die Genehmigungsbehörden Analysen, ob Fledermauspopulationen beeinträchtigt sein könnten. Eine Studie des Naturschutzbundes Nabu hat ergeben, dass Fledermäuse an Waldstandorten häufiger verunglücken als an anderen.

„Wenn das Risiko besteht, dass Populationen ausgerottet werden, dann können wir verfügen, dass bestimmte Abschaltzeiten eingehalten werden“, erläutert Svenja Stelse-Heine vom Landkreis Heidekreis in Niedersachsen, der mit entsprechenden Standort-Genehmigungen befasst ist. „Entweder ist es so klar, dass das gleich in die Baugenehmigung geschrieben wird, oder wir machen den Betreibern die Auflage, nach dem Bau ein Suchmonitoring zu veranlassen.“

Nur wenige Gutachter bilden Tiere aus

Hunde werden dabei derzeit noch kaum eingesetzt, nur wenige Gutachter bilden Tiere für die Suche aus. Einer davon ist Andreas Hahn aus Feuerschützenbostel in Niedersachsen. Mit seinem Hund Sweno, einem Weimaraner, hat er mehrfach nach toten Fledermäusen unter Windrädern gesucht. Keine leichte Aufgabe: „Der Hund muss lange durchhalten und Leistung bringen“, sagt Stelse-Heine. „Das kann er nur, wenn er gut ausgebildet ist.“ Die Nachsuche mit Hunden sei darum teurer als eine akustische Messung, die die Fledermausaktivitäten auf Gondelhöhe aufzeichnet.

Fledermausexperte Robert Brinkmann aus Freiburg hat bei einer Studie zur Minderung des Risikos für Fledermäuse an Windenergieanlagen darauf verzichtet, Suchhunde einzusetzen. „Es war logistisch nicht einfach, an gut ausgebildete Hunde zu kommen“, sagt er, „auch wenn es eine deutliche Verbesserung der Nachsuche am Boden gewesen wäre“. Stattdessen gab es akustische Messungen während des Fledermausfluges, und Helfer suchten den Boden um die Anlagen nach Kadavern ab.

Das Ergebnis klingt einfach: Werden die Windräder in den Stunden, in denen die Tiere auf Nahrungssuche gehen, abgeschaltet, kommen diese seltener um. Die gefährdeten Fledermausarten sind meist nur von April bis Oktober unterwegs. Die Tiere fliegen dann zudem nur zu bestimmten Zeiten - und nicht mehr bei sehr hohen Windgeschwindigkeiten. Die nötigen Abschaltzeiten ließen sich daher gut berechnen, erläutert Brinkmann.

Michael Löhr von der Juwi Holding AG, die Windparks plant, weiß von keinem Fall im Konzern, bei dem Fledermäuse zu ernsthaften Konflikten in bestehenden Windparks geführt hätten. Friederike Eggstein vom Energieunternehmen EnBW erklärt: „Diese Monitorings sind eine Naturschutzauflage, die Standard ist. Mögliche Abschaltzeiten, auch aus anderen Gründen, fließen da gleich in die Wirtschaftlichkeits-Berechnung mit ein“.

Stelse-Heine würde bei künftigen Analysen gern öfter Hunde im Einsatz sehen. „Man rechnet so viel in Wahrscheinlichkeiten. Darum brauchen wir die Ergebnisse von Hunden auf jeden Fall für den wissenschaftlichen Vergleich.“ Eine Kombination von akustischen Messungen und der Suche mit Hunden sei optimal. Terrier-Hündin Fina kann also weiter auf einen Einsatz hoffen. Das Training im Maisfeld und an einem angrenzenden Waldrand beeindruckt jedenfalls: Sechs der sieben ausgelegten Übungsfledermäuse hat Fina gefunden - eine Quote, die ein Mensch wohl kaum erreicht hätte.

dpa/kas

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