Dramatischer Appell

Forscher warnen vor Massensterben in den Meeren

Oxford - Dass die Weltmeere in größter Gefahr sind, ist bekannt. Doch die Lage scheint weit dramatischer zu sein, als bisher angenommen. Das liege vor allem an der Kombination der Stressfaktoren, warnen Forscher.

Forscher warnen vor einem in der Menschheitsgeschichte noch nie dagewesenen Massensterben in den Weltmeeren. Die Geschwindigkeit und die Rate des Sterbens in den Ozeanen sei viel größer als irgendjemand vorausgesagt habe, schreibt ein Verbund von Meeresforschern nach einer Tagung in Oxford. "Die Ergebnisse sind schockierend", sagte Alex Rogers, Wissenschaftlicher Leiter des Internationalen Programms zur Lage der Ozeane (IPSO). Es hatte die bereits im April stattgefundene Tagung organisiert und nun einen Abschlussreport veröffentlicht.

Die Dramatik ergibt sich vor allem aus der Kombination von Stressfaktoren: Die Meere werden immer stärker verschmutzt und überfischt, sie versauern und erwärmen sich, zudem sinke der Sauerstoffgehalt. "Als wir uns das Zusammenwirken der Effekte von allem, was die Menschheit dem Ozean antut, anschauten, wurde uns klar, dass die Auswirkungen weitaus größer sind, als wir bei der Betrachtung der Einzelheiten angenommen hatten", erläuterte Rogers. "Wir stehen vor Konsequenzen für die Menschheit, die noch zu unseren Lebzeiten spürbar werden; noch viel schlimmer wird es für unsere Kinder und die Generationen danach." Für den Report wurden zahlreiche einzelne Studien zu bestimmten Gefahren für die Meere zusammengetragen.

Die drei Hauptfaktoren Versauerung, Erwärmung und geringer Sauerstoffgehalt seien bei allen marinen Massensterben in der Erdgeschichte präsent gewesen, hieß es. Diese drei Elemente könnten auch jetzt mit großer Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden. Der Bericht nennt einige dramatische Beispiele zur derzeitigen Situation in den Meeren. So sei die von den Ozeanen aufgenommene Kohlenstoffmenge derzeit weit größer als beim jüngsten Massensterben in den Meeren vor 55 Millionen Jahren, teilten die Forscher mit. Überfischung habe einige der wirtschaftlich interessanten Fischbestände bereits um mehr als 90 Prozent reduziert. Eine einzige Korallenbleiche habe 1998 rund 16 Prozent aller tropischen Korallenriffe zerstört. Neue Erkenntnisse deuteten außerdem darauf hin, dass Chemikalien und Plastikmüll als kleine Partikel in Meerestiere gelangten und diese vergifteten. An dem Report waren 27 Experten von 18 Organisationen in 6 Ländern beteiligt.

dpa

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