Klimawandel

Forscher warnen vor neuen Hitzewellen

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Foto: Der Forscher sind sich sicher, dass die Häufung von extremen Wetterlagen Folge des Klimawandels und der steigenden Treibhausgasemissionen sind.

Potsdam/Jena - Bereits in sieben Jahren wird es Potsdamer Forschern zufolge im Sommer doppelt so viele starke Hitzewellen geben wie derzeit. Und diese heizen selbst wiederum den Klimawandel weiter an, wie ein Team aus Jena ergänzt.

Das haben Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (Pik) gemeinsam mit der Universidad Complutense de Madrid (UCM) ausgerechnet.

Derzeit seien bereits auf fünf Prozent aller Landflächen Hitzeextreme im Sommer zu beobachten, sagte Dim Coumou vom Pik derHAZ. „Wir erwarten, dass es 2040 auf 20 Prozent der Landflächen solche Hitzeextreme gibt“, sagte Coumou. Betroffen seien vor allem Gegenden im tropischen Afrika, in Südamerika und Brasilien.

In Mitteleuropa sind die Auswirkungen vorerst geringer. Doch auch dort und im mittleren Osten dürfte die Temperatur häufiger das Normalmaß erheblich übersteigen. Am Anfang sei er selbst über das Ergebnis erstaunt gewesen, sagte Coumou.

Der Forscher lässt keinen Zweifel daran, dass die Häufung von extremen Wetterlagen Folge des Klimawandels und der steigenden Treibhausgasemissionen sind. Noch vor wenigen Jahrzehnten habe es Wetterextreme wie die Hitzewelle 2012 in den USA und 2010 in Russland in dieser Form kaum gegeben. Bereits seit den fünfziger Jahren hätte sich die Zahl dieser Extreme erhöht.

Die Forscher verstehen darunter Hitzewellen, bei denen die Temperatur die sonst üblichen Schwankungen in einer Region stark überschreitet. Oft führen sie zu Ernteverlusten, Waldbränden und Todesfällen in den aufgeheizten Städten. In die Berechnungen sind historische Daten und aktuelle Beobachtungen eingeflossen; kombiniert wurden fünf Klimamodelle. Betrachtet wurden nur die Hitzewellen.

Da das Klima erst mit ziemlicher Zeitverzögerung auf Veränderung der Emissionen reagiert, ist der Anstieg der Hitzewellen bis 2040 nicht mehr zu stoppen. Das bedeute aber nicht, dass der Kampf gegen den Klimawandel verloren sei, sagte Coumou. „Um nicht so viele Hitzeextreme in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts zu bekommen, müssen wir CO²-Emissionen reduzieren.“ Bei ungebremstem Treibhausgasausstoß drohen bis Ende des Jahrhunderts Hitzewellen auf 85 Prozent aller Landflächen. „In vielen Regionen werden die kältesten Sommermonate Ende des Jahrhunderts heißer sein als die heißesten Monate heute“, sagt Coumou.

Er betonte zugleich, dass die Ergebnisse wichtig seien, um in den betroffenen Sektoren Anpassungsmaßnahmen zu entwickeln. Der Hamburger Klimaforscher Hans von Storch nennt als Beispiele Meeresdeiche, Wassermanagement oder der Einsatz anderer Pflanzenarten in der Landwirtschaft. Alexander Robinson von der UCM warnte, dass Gesellschaften und Ökosysteme zwar an Extreme angepasst sind – aber meist nur an solche, die es schon gab.

Von Storch, der das Helmholtz Zentrum für Material- und Küstenforschung in Geesthacht leitet, hat sich in der Klimadebatte oft gegen zu viel Panik verwahrt. Grundsätzlich teilt er die Einschätzung des Pik. „Bis Mitte des Jahrhunderts ist die Sache weitgehend eingetütet“, sagte von Storch. Vor allem Hitzewellen und Starkregen kämen dann häufiger vor. Anders sei es dagegen bei Kälte und Schnee, die es zwar weiterhin geben werde, aber nicht häufiger als bisher. Von Storch betonte zudem, dass es bei all den Klimafolgen um Häufigkeiten gehe, nicht um das Ausschließen anderer Wetterentwicklungen. „Auch in zwei Jahrzehnten wird es noch genügend oft einen richtig miesen, kalten, verregneten Sommer geben“, sagte er.

dpa

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