130 Brutpaare

Der Uhu fühlt sich in Niedersachsen wieder heimisch

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Foto: Der Uhu fühlt sich in Niedersachsen wieder heimisch.

Salzgitter - Der Uhu galt fast als ausgestorben. Mittlerweile leben nach Schätzungen der Landesforsten wieder rund 130 Brutpaare in Niedersachsen. Förster und Naturschützer sorgen sich dennoch weiter um den Bestand der Vögel.

Der Uhu fühlt sich in Niedersachsen wieder wohl. Dabei galt er noch Anfang der 90er Jahre als so gut wie ausgestorben. „Rund 20 Jahre nach der letzten Auswilderung leben derzeit etwa 130 Brutpaare in Niedersachsen“, schätzt Dirk Strauch von den Landesforsten.

Daran hat auch Axel Sandvoss seinen Anteil. Der Schweißer ist seit 1983 als Mitglied des Naturschutzbundes Nabu in Salzgitter darum bemüht, den Eulen das Leben zu erleichtern. „Vor 28 Jahren gab es hier gar keinen Uhu“, erinnert er sich. Jetzt gibt es wieder rund zehn Brutpaare in der Region zwischen Salzgitter und Wolfsburg.

Das bedeutet jedoch nicht, dass der Bestand gesichert ist: „Stromleitungen, Windräder und Autoverkehr machen dem Uhu ebenso zu schaffen wie der großflächige Anbau von Energiepflanzen“, beklagt Dirk Strauch. Zwischen hohen Maisstauden kann der Uhu nur schwer jagen. Zudem wurde sein Lebensraum und der seiner bevorzugten Beutetiere - Mäuse, Igel, Hasen und Wildenten - immer kleiner. Positiv für den Uhu-Erhalt bewerten die Experten die heutige Forstwirtschaft, die anders als früher Waldstücke auch älter als 140 Jahre werden lässt.

Dennoch bleibt der Uhu-Schutz weiter notwendig. „Geheimhaltung der Reviere ist unser erstes Gebot“, sagt Förster Strauch. Zwar gebe es Vögel, die mitten in einer Stadt lebten, doch das seien Ausnahmen. Vor allem Waldbesucher sollten die Tiere nicht stören. Das gilt besonders, wenn die Jungen noch nicht geschlüpft sind. „Eine Störung und die Muttertiere geben ihr Gelege auf“, erklärt Peter Köglsperger, der bei den Landesforsten für Waldökologie und Umweltschutz zuständig ist.

Im Alter von fünf Wochen werden die Eulen einmal ganz kurz gestört, dann werden sie beringt. Ansonsten sind die Förster rücksichtsvoll: „So wie wir wissen, wo ein Uhu-Revier ist, stellen wir dort alle Forstarbeiten ein“, berichtet Strauch. Zudem werden Wege, die in die Nähe von Uhu-Nestern führten, mit Barrieren während der Brutzeit möglichst unpassierbar gemacht.

Früher räumten Menschen die Uhu-Horste aus, weil sie Angst vor dem mächtigen Vogel hatten, der sich mit seinen Rufen selbst den Namen Uhu gab. Bis zu drei Kilo bringt ein Weibchen auf die Waage, die Flügelspannbreite kann stolze 1,70 Meter erreichen.

„Es ist einigen wenigen Leuten zu verdanken, dass der Uhu nun wieder in unseren Wäldern lebt“, sagt Förster Strauch. In Niedersachsen war das Peter Mannes vom Nabu, der bis zu seinem Tod 1992 Uhus im heutigen Artenschutzzentrum in Leiferde im Kreis Gifhorn züchtete und auswilderte.

Als Axel Sandvoss vor 30 Jahren Peter Mannes begegnete, steckte ihn dessen Begeisterung für die Tiere sofort an. „Wenn liebestolle Uhus in der Hochbalz sind, dann vergessen die alles. Sie sind dann in einem Gefühls- und Hormontaumel, das ist unglaublich“, berichtet Sandvoss. Um die Balzrufe zu hören, schlägt sich der Naturschützer manche Nacht um die Ohren. Wie lange die Balz dauert, ist unterschiedlich. „Da sind Uhus nicht anders als Menschen“, stellt Sandvoss klar.

dpa

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