Satellitensystem

Ein TÜV für Galileo in Braunschweig

- Das europäische Satellitensystem Galileo ist die europäische Antwort auf das amerikanische System GPS. Es wird in den nächsten Jahren installiert. In Braunschweig entsteht eine Art TÜV für Test und Zertifizierung von sicherheitskritschen Galileo-Technologien und -Diensten.

Galileo macht’s möglich: Mit dem geplanten europäischen Satellitensystem kann der Verkehr mit Auto, Flugzeug oder Zug stärker automatisiert und dadurch effizienter werden. Voraussetzung dafür ist, dass das System jederzeit stabil ist, seine Signale in aller Welt zuverlässig verfügbar und die Satellitendienste sicher sein werden. Deshalb müssen sie kontrolliert werden. Sonst könnten schlimme Unfälle passieren.

Am Forschungsflughafen Braunschweig entsteht dafür ein europaweites Zentrum für Tests und Zertifizierung von sicherheitskritischen Satelliten-Anwendungen im Verkehr - eine Art TÜV für Galileo. Es heißt in der englischen Abkürzung Gauss und ist -so die Zentrums-Manager Günther Kasties und Harry Evers - eine Referenz an den Mathematiker Carl Friedrich Gauß, der vor 200 Jahren in Braunschweig wirkte. Träger des Zentrums ist die ITS Niedersachsen GmbH, ein Netzwerk von Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus dem Bereich Verkehrstechnik.

Galileo ist die europäische Antwort auf das amerikanische Militärsystem GPS, das in weltpolitischen Krisenzeiten die zivile Nutzung schon mal einschränkt. „Das zivile System Galileo wird dagegen eine Servicegarantie geben“, erläutert Kasties. Nach jahrelangen politischen Querelen und Verzögerungen sollen 2014 die ersten Dienste verfügbar sein. Spätestens 2018 werden 30 Satelliten in 23 000 Kilometer Höhe um die Erde kreisen.

Beispielsweise wird es Assistenzsysteme für Autofahrer geben, die teilweise autonom das Fahrzeug steuern, oder automatische und leisere Landeanflüge für Flugzeuge. Neue Sicherungssysteme könnten ohne aufwendige Strecken-Infrastruktur künftig Zugkollisionen verhindern, der gesamte Gefahrgütertransport auf der Straße könnte per Galileo ferngesteuert und kontrolliert werden. Auch eine Pkw-Maut sei per Satellit, ganz ohne die derzeitigen Elektronik-Brücken über den Autobahnen, technisch machbar, meint Kasties.

„Alle diese Anwendungen sind sicherheitskritisch“, sagt Evers. Sie müssten deshalb zertifiziert und kontrolliert werden - die Technik ebenso wie die jeweilige Software. Dafür gibt es am Braunschweiger Forschungsflughafen viel Know-how: Hier sitzen Forschungsinstitute und Unternehmen, die sich schon seit vielen Jahren mit der Satellitennavigation (GPS) beschäftigen. Bei Gauss arbeiten zudem zwei große TÜV-Organisationen (TÜV Nord und TÜV Süd) mit, die das Zulassungsgeschäft beherrschen.

„Wir sind auf europäischer Ebene an der Entwicklung technischer Standards und Regeln für künftige Galileo-Anwendungen beteiligt“, berichtet Evers. Deshalb hoffe man, von den obersten Galileo-Gremien als eine oder sogar als einzige Zertifizierungsstelle in Europa ernannt zu werden.

Gauss verstehe sich als Service-Center, erläutert Kasties. Man wolle Unternehmen komplett betreuen: Von der Entwicklung einer Galileo-Technik oder eines Dienstes über deren Umsetzung und Schulung der Mitarbeiter bis zur Zertifizierung.

An einigen Projekten ist Gauss bereits beteiligt. So wurde im Berchtesgadener Land ein Galileo-Testfeld eingerichtet, das Gauss zertifiziert hat. Auf acht Berggipfeln wurden Sender installiert, die Galileo-Signale simulieren. Unten im Tal können so Satellitenempfänger oder Dienste für den Straßenverkehr schon heute praktisch getestet werden. Auf dem Braunschweiger Flughafen gibt es ein Testfeld, mit dem satellitengesteuerte Starts und Landungen von Flugzeugen erprobt werden können.

Die Braunschweiger Galileo-Experten sind auch an der Entwicklung eines neuen europäischen satellitengestützten Auto-Notrufsystems eCall beteiligt. Damit soll bei schweren Unfällen automatisch ein Notruf mit der genauen Position des Fahrzeugs an die Notrufzentrale gesendet werden.

dpa

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