Neue Energie

Geothermie wartet auf Durchbruch

+
Geothermie hat sich noch nicht durchgesetzt.

Berlin/Hannover - Isländische Verhältnisse wird es in Deutschland niemals geben. Der Nutzung von Erdwärme aus tiefem Gestein werden aber auch hierzulande große Chancen eingeräumt. Die Bohrtechnik kommt voran - Investoren scheuen jedoch oft noch die immensen Kosten. Gibt es mehr Fördergeld?

Sie sind in Hunderten, teils Tausenden Metern Tiefe und warten eigentlich nur darauf, angezapft zu werden: Unterirdische Hitzespeicher gelten als Hoffnungsträger bei der regenerativen Erzeugung von Wärme und Strom. Im Vergleich mit anderen erneuerbaren Energien wie der Wind-, Wasser- und Solarkraft oder der Biogasproduktion fristet die deutsche Geothermie derzeit allerdings noch ein Schattendasein. Dabei ist das Potenzial beträchtlich - wenn denn Investoren stärker bereit wären, die hohen Risiken zu schultern.

„Die Branche hat in den letzten Jahren große Schritte nach vorn gemacht“, sagt Susanne Schmitt vom Bundesverband Geothermie (GtV) in Berlin. „Trotzdem muss man anmerken, dass die Möglichkeiten lange nicht mit aller Kraft ausgeschöpft werden.“ Bei der Gewinnung heißen Wasserdampfs aus Erdwärme gebe es vielversprechende Ansätze. Doch die Zahl der bundesweit 19 schon laufenden, 18 entstehenden und 66 geplanten Projekte in tiefen Schichten sei vergleichsweise gering.

Zwar belegte Deutschland nach Angaben des GtV Ende 2009 mit fast 2,5 Gigawatt an geothermischer Leistung einen der vorderen Plätze bei der Kapazität zur Wärmeerzeugung. Bei der Stromerzeugung in echten Kraftwerken, deren Wirkungsgrad generell viel niedriger ist, liegt die Bundesrepublik international aber relativ weit hinten. Das soll und kann sich nach Einschätzung Schmitts, die selbst ein Geothermie-Netzwerk von 34 Firmen leitet, schon bald ändern.

Nötig dafür seien bessere Förderbedingungen für interessierte Unternehmen. „Die Gefahr, bei einer teuren Erstbohrung doch nichts zu finden, ist für viele zu groß“, erklärt die Branchenexpertin. Es gebe mittlerweile Spezialversicherungen - derlei Instrumente blieben aber kostspielig: „Man landet oft bei Beiträgen im Millionenbereich. Wir begeistern Investoren nur, wenn wir Geothermie mehr fördern.“ Auch die von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) erwogene raschere Senkung der Solarsubventionen könne den Spielraum vergrößern.

Im November hatte der Verband ein 500-Millionen-Euro-Programm vorgeschlagen, das bis zu 30 Erstbohrungen finanzieren könnte. „In der Forschungsförderung des Umweltministeriums wurde die Geothermie mit 15 Millionen Euro im Jahr 2010 noch stiefmütterlich behandelt“, kritisiert Schmitt - „vor allem, wenn man sieht, was in die anderen Erneuerbaren fließt“. Neben höheren Anschubinvestitionen müsse der Erfahrungsaustausch einzelner Geothermie-Standorte gefestigt werden.

Bislang sind viele der kleinen Projekte kaum vernetzt. Kommunale und regionale Vorhaben wie bei den Stadtwerken Munster-Bispingen in Niedersachsen oder im mecklenburgischen Lohmen - dort will die Geothermis AG das größte deutsche Erdwärme-Kraftwerk bauen - sind wichtige Vorreiter. Doch steigen auch die großen Energiemultis ein?

Rüdiger Schulz vom Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) in Hannover, das Machbarkeitsstudien von Investoren prüft und die größte Datensammlung zur Geothermie in Deutschland hat, zieht eine gemischte Zwischenbilanz: „Die Umsetzung mancher Projekte hakt etwas.“ Ziele wie ein 50-Prozent-Anteil an der Stromgewinnung wie in einigen Ländern Zentralamerikas seien unrealistisch. Besser sehe es auf dem Wärmemarkt aus - zumal Großkonzerne wie RWE oder EnBW das Thema im Blick hätten: „Viele haben ihre Claims schon abgesteckt.“

„Speziell in Süddeutschland sind die geothermalen Perspektiven wirklich gut“, sagt auch Johannes Peter Gerling von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Anlagen wie die in Unterhaching bei München oder Landau in der Pfalz liefen sowohl mit Blick auf die erzielten Temperaturen als auch auf die Förderraten bestens. Der Nordosten hole auf, im Nordwesten stagniere der Ausbau dagegen - auch weil die geologischen Bedingungen nicht optimal seien.

Zur Förderpolitik möchte sich Gerling nicht näher äußern. Die Einschätzung des GtV, dass die Geothermie-Anbieter stärker an einem Strang ziehen müssen, teilt er aber. Bei „Energiedörfern“, die ihre Wärme direkt aus der Erde beziehen, dürfe es nicht bleiben. „Es herrscht zu wenig Transparenz in dem Geschäft“, mahnt der BGR-Mann. „Wir brauchen mehr Kommunikation über Lernprozesse. Da kann sich die Geothermie ein Beispiel an der Erdöl- und Erdgasbranche nehmen.“

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare