Zierpflanze

Hortensien-Diebe hoffen vergeblich auf Rausch

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Diebstähle von Hortensien sorgen seit Jahren für Schlagzeilen - die Diebe glauben, die Zierpflanze tauge als Ersatz für Marihuana.

Göttingen - Diebstähle von Hortensien sorgen seit Jahren für Schlagzeilen. Die Diebe glauben, die Zierpflanze tauge als Ersatz für Marihuana. Doch das sei eine Mär, sagen Experten des Giftinfo-Zentrums Nord in Göttingen.

Blüten, Blätter, Triebe - Hortensien-Diebe nehmen mit, was ihnen bei nächtlichen Streifzügen in die Hände fällt. In der Hoffnung, dass die getrockneten Pflanzenteile eine ähnliche Wirkung haben wie Marihuana, haben Unbekannte kürzlich unter anderem in Wolfshagen im Harz, in den Landkreisen Lüneburg und Uelzen sowie in Zersen im Kreis Hameln-Pyrmont zugeschlagen. Dort wurden gleich sechs Gärten heimgesucht.

Der von den Dieben ersehnte Rausch werde beim Rauchen von getrockneten Hortensienteilen aber ausbleiben, sagt Martin Ebbecke vom Giftinformationszentrum Nord (Giz-Nord) an der Göttinger Universitätsmedizin. Es grassiere zwar vor allem unter Jugendlichen die Vorstellung, Hortensien könnten als Drogen dienen. „Das ist aber eine Mär“. Es gebe keine ernstzunehmende Untersuchung, die eine berauschende Wirkung von Hortensien belege und keine Hinweise auf Inhaltsstoffe, die einen Rausch hervorrufen könnten.

Unabhängig davon warnt die Polizei Hortensien-Konsumenten vor den Gefahren, die durch das Rauchen von Pflanzenteilen drohen. Nach den jüngsten Diebstählen im Kreis Hameln-Pyrmont sagte ein Sprecher, wer mit Naturdrogen experimentiere, könne sich lebensgefährliche Vergiftungen zuziehen.

Seit gut zehn Jahren beschäftigen sich Ermittler immer wieder mit Hortensien-Diebstählen. 2009 sorgte zum Beispiel eine Häufung von Fällen in Hann. Münden (Kreis Göttingen) für Schlagzeilen. Im vergangenen waren vor allem der Großraum Hannover und der Nordwesten des Landes betroffen. Auch im Harzvorland schlugen Hortensien-Diebe zu.

Den Tätern sei möglicherweise aber überhaupt nicht klar, in welche Gefahr sie sich begeben, warnte das Landeskriminalamt (LKA). Es drohten Schwindel, Beklemmungszustände und zentralnervöse Störungen. Beim Rauchen könne zudem hochgiftige Blausäure freigesetzt werden. Auch Gift-Experte Ebbecke nannte den Hortensien-Konsum „ungesund“. Akute Lebensgefahr bestehe jedoch nicht.

Da die in Hortensien enthaltenen Stoffe im Betäubungsmittelgesetz nicht erfasst sind, droht den Tätern zwar eine Strafverfolgung wegen Diebstahl, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch. Der Handel mit Hortensienteilen ist dagegen nicht verboten.

dpa

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