Raumfahrt

Immunabwehr von Astronauten bei Raketenflug getestet

- Deutsche Forscher haben erstmals menschliche Immunzellen ins All geschossen. Der unbemannte Raketenflug in Nordschweden dient der Entwicklung von Medikamenten gegen Astronauten-Krankheiten.

Medikamente für Astronauten könnten in ferner Zukunft vielleicht das Ergebnis eines Raketenflugs vom Dienstag sein. Die unbemannte Forschungsrakete Texus 49 wurde vom Raumfahrtzentrum Esrange in Nordschweden abgeschossen und flog planmäßig 20 Minuten. Anschließend sank sie aus 270 Kilometern Höhe an einem Fallschirm zur Erde zurück und wurde von einem Hubschrauber aufgegabelt. Wozu der ganze Aufwand? Für sechs Minuten Schwerelosigkeit!

Diese kurze Zeitspanne nutzte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln (DLR) für vier Experimente deutscher Forscher. In einem ging es um Astronauten-Krankheiten. Es ist eines der größten Probleme der bemannten Raumfahrt, dass Astronauten häufiger krank werden. Schon nach wenigen Sekunden reagiert das Immunsystem auf den Wegfall der Schwerkraft und verschlechtert sich. Das Ergebnis: Die Astronauten werden anfällig für Infektionen.

Forscher der Universität Magdeburg haben nun mit der Rakete erstmals menschliche Immunzellen ins All geschossen. Diese Zellen werden nun im Labor in Magdeburg ausgewertet. Danach könnten die Forscher wissen, ob der Mensch mit Hilfe von Medikamenten lange Reisen bis zum Mars überstehen kann. Vielleicht kann man Medikamente für die Astronauten entwickeln. Vielleicht findet man aber auch heraus, dass der Mensch gar nicht zu längeren Weltraumflügen in der Lage ist. Dann bliebe „Raumschiff Enterprise“ für immer Sciencefiction.

Für die anderen Experimente brauchte man ebenfalls den Zustand der Schwerelosigkeit. Dabei ging es beispielsweise um Verschleißeigenschaften von Werkstoffen. Ohne Schwerkraft kann man viel genauere Messungen ausführen als in einem Labor auf der Erde. Man erhält genauere Daten, die wiederum die Grundlage für Computersimulationen und Herstellungsverfahren in der Industrie sein können.

dpa

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