Ison und Lovejoy als Stars

„Jahr der Kometen“ klingt aus

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Foto: Der Komet Lovejoy wurde von dem australischen Amateurastronom Terry Lovejoy am 7. September 2013 entdeckt.

Bonn - 2013 war das Jahr der Kometen. Ungewöhnlich viele Schweifsterne faszinierten die astronomische Welt. Sonnenkratzer Ison sorgte besonders für Begeisterung. Aktuell ist Lovejoy groß im Kommen. Beide sind zu wahren Stars aufgestiegen.

Das Jahr der Kometen-Festspiele steht vor seinem wohl letzten großen Akt. Die Milliarden Jahre alten Gesellen aus den fernen Außenbezirken unseres Sonnensystems lassen sich eigentlich nur selten sehen. Aber: „2013 war das Jahr der Kometen. Absolut. Für Wissenschaftler genauso wie für Hobbyastronomen“, sagt Peter Oden, geschäftsführender Vorstand der Bonner Volkssternwarte. „Ich habe in diesem Jahr so viele Kometen beobachten können wie zuvor in meinem ganzen Leben nicht“, freut sich der 61-Jährige. Ganz klar: Die Stars waren der hitzige Sonnenkratzer Ison und der noch aktive Schweifstern Lovejoy.

Dass sich am irdischen Himmel 2013 gleich mehrere Kometen strahlend schön inszeniert haben, ist sehr ungewöhnlich. Denn Schweifsterne, die auch ohne größere Hilfsmittel sichtbar sind, zeigen sich sonst nur alle paar Jahr einmal. „Es gab einige Jahre, da war gar nichts am Himmel, was sich gelohnt hätte“, erinnert sich Oden. Schon im Frühjahr 2013 sorgten vor allem die Kometen Panstarrs und Lemmon für herausragende Hingucker, wie auch das Portal „Kometen.Info“ bilanziert. Sie strahlten hell genug, um sie mit Feldstecher oder bloßem Auge sehen zu können.

In der zweiten Jahreshälfte ließ Ison viele Herzen höherschlagen. Im Fachjargon hieß der Komet unscheinbar C/2012 S1. Tatsächlich war er spektakulär. Rund 4,6 Milliarden Jahre hatte er laut Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) auf dem Buckel. Er kam vom äußersten Rand unseres Sonnensystems. Noch dazu war Ison zum ersten Mal an der Sonne vorbeigeflogen und hatte daher vollkommen unverändertes Ursprungsmaterial.

Fatal allerdings: Ison ist ein großes Risiko eingegangen, wie Hobbyastronom Wilfried Bongartz erklärt. Mit einem wachsenden Tempo von 400 Kilometern pro Sekunde raste er auf die Sonne zu. Am sonnennächsten Punkt, in einem Abstand von nur einer Million Kilometern und bei Temperaturen von über 1500 Grad Celsius, zerbrach Ison am 28. November und löste sich auf. Das erhoffte Mega-Spektakel am Himmel blieb aus. Bongartz - auch er ist an der Volkssternwarte Bonn tätig - glaubt aber, dass die Ison-Aufnahmen in jedem Fall interessante Daten bereithalten. Auch Forscher erhoffen sich daraus noch nachträglich Einblicke in die Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems.

Der nächste „schmutzige Schneeball“ - wie die Kometen aus Eis und Gestein auch ganz uncharmant genannt werden - ist schon im Anflug. Schweifstern Linear, der Oden zufolge derzeit erstaunlich an Helligkeit zulegt, entwickelt sich vielversprechend. Der normale Himmelgucker muss sich trotzdem noch etwas gedulden, wohl erst Anfang 2014 wird er seine volle Leuchtkraft erreichen.

Vor allem aber gerät Lovejoy gerade stark in den Fokus, der zuvor in Isons Schatten stand. Oden: „Lovejoy ist derzeit besser zu sehen als Ison es jemals war.“ Am Morgen könne man ihn den Dezember über am Ost-Nordost-Himmel erspähen, am Abend am West-Nordwest-Himmel - bei optimalen Sichtverhältnissen auch ohne Hilfsmittel.

Für die Forschung ist Lovejoy ebenfalls spannend, sagt MPS-Sprecherin Birgit Krummheuer. Zwar kreise er als langperiodischer Komet alle 9900 Jahre um die Sonne herum. Aber auch bei dem über vier Milliarden Jahre alten Lovejoy sei noch von einem weitgehend ursprünglichen, unveränderten Material auszugehen. Er werde seinen sonnennächsten Punkt am 22. Dezember erreichen - und dabei einen Sicherheitsabstand von 120 Millionen Kilometern einhalten.

Lovejoy könnte genau an den Weihnachtstagen hell erstrahlen. Das wäre ein leuchtender Schlussakt für 2013. Zwar gibt es keine wissenschaftlichen Belege für ein spektakuläres Kometenereignis vor 2013 Jahren, aber: Nicht wenige würden dann wohl an den biblischen Stern von Bethlehem denken.

dpa

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