Jubiläum

50 Jahre Genforschung

- Die Genforschung hat in den vergangenen Jahrzehnten eine rasante Entwicklung gemacht. Das Erbgut des Menschen ist komplett entschlüsselt. Gentechnisch hergestellte Medikamente gehören für viele Menschen längst zum Alltag. Und auch bei der Überführung von Straftätern oder beim Vaterschaftstest spielt der „genetische Fingerabdruck“ mittlerweile eine wichtige Rolle.

Vor 50 Jahren, am 27. Mai 1961, lieferte ein Experiment den Schlüssel zur Entzifferung des genetischen Codes – ein wichtiger Fortschritt für die Genetik und wichtige Grundlage für die sich heute rasant entwickelnde Gentechnik.

Ohne Gene funktioniert nichts im menschlichen Körper. Alles, das Schlafen und Nachdenken, das Pumpen des Blutes durch die Adern, das Wachsen und Altern, wird durch die Gene gesteuert. In den Genen sind die Baupläne für alle Bestandteile des Körpers gespeichert – und zwar in verschlüsselter Form. Der genetische Code ist der Übersetzungsschlüssel, über den die Gene ihre Erbinformation in den Bau von Eiweißstoffen umsetzen. Diese wiederum dienen als Botenstoffe und sagen der Zelle, wie sie aussehen und was sie tun soll. Sie sind auch verantwortlich für bestimmte Merkmale wie Körpergröße, Haarfarbe oder Nasenform.

Der genetische Code ist in der DNA – der Desoxyribonukleinsäure – gespeichert. Die Abfolge von vier Basen verschlüsselt die Erbinformation, so wie aneinandergereihte Buchstaben ein Wort ergeben können. Der deutsche Biochemiker Heinrich Matthaei und sein US-Kollege Marshall Warren Nirenberg waren vor 50 Jahren die ersten, die dieses Vier-Buchstaben-Alphabet lesen lernten. Bis 1965 konnte auf dieser Basis und durch die Erkenntnisse weiterer Wissenschaftler schließlich der gesamte genetische Code entschlüsselt werden – ein wissenschaftlicher Meilenstein. „Das war die absolute Grundlage für alles, was danach kam“, sagt Silke Argo, Sprecherin des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN). „Dadurch wurde es möglich, das ,Buch des Lebens‘ zu verstehen.“

Durch die Entschlüsselung des genetischen Codes konnte zum Beispiel genetisches Material isoliert oder verändert werden. 1969 gelang dem Wissenschaftler Jonathan Beckwith als erstem die Isolierung eines einzelnen Gens. 1982 kam in den USA das erste gentechnisch hergestellte Medikament, das menschliche Insulin, auf den Markt. Es wird von gentechnisch veränderten Bakterien produziert. Früher musste das für Zuckerkranke so wichtige Hormon aufwendig aus Tierdrüsen gewonnen werden.

1986 wurde dann erstmals ein Gen gefunden, das für die Erbkrankheit Muskelschwund verantwortlich ist. Danach glückte erstmals das Klonen von Zellen. Und im Jahr 2000 gelang schließlich die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts, was die Hoffnung auf einen Sieg über Krebs und Alzheimer nährte. Forscher in aller Welt suchen seitdem nach Möglichkeiten, mit Hilfe der Gentherapie Krankheiten durch Medikamente oder gentechnische Eingriffe direkt beim Menschen zu behandeln.Zwar konnten die Wissenschaftler bis heute zahlreiche Risikofaktoren etwa für Parkinson, Alzheimer oder den plötzlichen Herztod ausmachen, was Voraussetzung für die Früherkennung und neue Therapieansätze ist. Der große Durchbruch blieb aber bisher aus. Silke Argo verweist allerdings auf zahlreiche Erfolge der Genomforschung. So ermöglichen sogenannte Krebsmarker zum Beispiel bei Brustkrebspatientinnen in vielen Fällen eine sinnvollere Medikamentengabe, wie die Sprecherin des Genomforschungsnetzes betont.

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