Tumorerkrankung

20 Jahre überleben mit Krebs

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Foto: Gefährlicher Feind: Das farbenfrohe Mikroskopbild zeigt eine angefärbte Brustkrebszelle.

Berlin - Immer mehr Deutsche haben Krebs. Aber immer mehr überleben die Tumorerkrankung auch. So zeigt die Statistik des Robert-Koch-Instituts, dass heute weniger als die Hälfte der rund 470.000 Krebskranken an ihrem Tumor sterben.

In den achtziger Jahren erlagen noch zwei Drittel der Patienten dem Krebs. Die Mediziner haben auf diese Entwicklung reagiert. Auch auf dem am Mittwoch gestarteten Deutschen Krebskongress in Berlin steht neben neuen Therapien die Langzeitversorgung im Mittelpunkt.

„Es gibt Patienten, die mit gestreuten Tumorerkrankungen auch 20 Jahre überleben können“, macht Prof. Hans Helge Bartsch von der Klinik für Tumorbiologie an der Universitätsklinik Freiburg deutlich. Nach der Krankenhausbehandlung steht in der Regel zunächst eine Rehabilitationsphase an, die den Patienten in ein neues Gleichgewicht bringen soll. Deutschland verfüge dabei über ein sehr gutes Versorgungssystem, sagt Bartsch. „Das kann fast schon zum Exportartikel für Europa werden.“

Nach der Reha wartet dann die nächste Herausforderung: der Alltag. Bei den vom Krebs Geheilten, aber auch bei denen, die mit ihrem Tumor weiterleben müssen, gelte es diejenigen zu identifizieren, bei denen Probleme vorhanden seien, sagt Bartsch. „Häufig ist die Angst oberstes Symptom“, erklärt der Krebsarzt. „Die Angst, dass die Krankheit zurückkommt, die Angst vor körperlichen Einschränkungen und später die Angst vor Spätfolgen der Krebstherapie. In solchen Fällen kann eine Beratung durch einen Psychoonkologen helfen, der sich mit der psychischen Seite der Erkrankung auseinandersetzt.“

Ein Thema für die Krebsmediziner ist auch das immer höhere Alter der Erkrankten. Hier gelte es abzuwägen zwischen der überlebenswichtigen Krebsbehandlung und dem Allgemeinzustand des älteren Patienten, sagt Prof. Friedemann Honecker, geriatrischer Onkologe am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. „Um die Gesamtsituation des Patienten abzubilden, erhebt man zum Beispiel die Aktivitäten des täglichen Lebens: Einkaufen, Geldgeschäfte tätigen, Transportmittel benutzen“, sagt er.Diskutiert wurde beim Kongress auch der geplante Nationale Krebsplan des Bundesgesundheitsministeriums. Es seien Fortschritte bei der Entwicklung innovativer Krebstherapien, aber auch bei der Patientenbetreuung und im Bereich der Krebsfrüherkennung in Sicht, erklärte die den Kongress ausrichtende Deutsche Krebsgesellschaft.

Früh entdeckt, könnten Krebserkrankungen erfolgreicher und schonender behandelt werden, betonte Kongresspräsident Prof. Peter Albers. Das zeigen unter anderem Zahlen aus dem bundesweiten Mammographie-Screeningprogramm. Seit der Einführung 2005 seien doppelt so viele kleine Brusttumoren entdeckt worden wie zuvor, erklärten die Verantwortlichen. Albers plädierte daher auch bei anderen Krebsarten für organisierte Einladungsprogramme. „Wir brauchen außerdem eine konsequente Nutzenbewertung von Früherkennungsverfahren“, sagte er.

In das gleiche Horn blies Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), der als Gast auf dem Kongress zum Thema Früherkennung sprach. Mit einem personalisierten Einladungssystem und verbesserten Informationen wolle man mehr Menschen erreichen, sagte der Minister.

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