Immunschwächekrankheit

Jeden Tag zehn neue HIV-Infektionen in Deutschland

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In Deutschland stecken sich nach Schätzungen des Berliner Robert Koch-Instituts jeden Tag rund zehn Menschen neu mit HIV an.

Berlin - Die Zahlen der HIV-Neuinfektionen in Deutschland sind 2012 nicht gesunken. Eindämmen lässt sich die Immunschwächekrankheit so nicht.

In Deutschland stecken sich nach Schätzungen des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) jeden Tag rund 10 Menschen neu mit HIV an. Damit ist die Zahl der Ansteckungen in den vergangenen Jahren nicht gesunken. Sie steigt nach den bisherigen Beobachtungen eher wieder leicht an. Für das Jahr 2012 liege die geschätzte Zahl aller HIV-Neuinfektionen bei rund 3400 Menschen, sagte RKI-Experte Osamah Hamouda am Sonntag. „Männer, die Sex mit Männern haben sind weiterhin die am stärksten betroffene Gruppe“, ergänzte er. Hier sei die mit Abstand größte Zahl der neuen Ansteckungen zu verzeichnen. Hauptgrund ist nach wie vor ungeschützter Sex ohne Kondom.

Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag. Nach den jüngsten Schätzungen des RKI leben in Deutschland zurzeit 78.000 Menschen mit HIV/Aids. Dank effektiver Therapien wächst ihre Zahl kontinuierlich an: Seit Mitte der 90er Jahre hat sie sich verdoppelt und wird voraussichtlich in den nächsten Jahren weiter steigen. „Es stecken sich aktuell mehr Menschen neu an als Patienten in Behandlung kommen“, erläuterte Hamouda. Damit wachse der Pool von Infizierten, die HIV weitergeben können.

„Mit Tests und Therapien allein lässt sich diese Epidemie nicht stoppen. Da bleibt immer eine Lücke“, ergänzte der Experte. „Wenn sich die Bereitschaft, Kondome zu nutzen, nicht stark verändert, wird es auch weiter zu neuen Infektionen kommen.“

Im Vergleich zu anderen Industrieländern gebe es in Deutschland aber eine recht gute Situation - dank Präventionskampagnen und guter medizinischer Versorgung, erläuterte Hamouda. Prävention werde aber schwieriger, wenn immer mehr von Therapieerfolgen die Rede sei. So hat die Zahl der Sexualkontakte unter schwulen Männern durch die besseren Lebensumstände in den vergangenen Jahren wieder zugenommen. „Vor allem bei den Jüngeren gehen die Zahlen der HIV-Infektionen hoch“, sagte der Experte. „Nicht dramatisch, aber es ist schon eine kritische Entwicklung.“

HIV-Infektionen erfolgen oft unbemerkt. Ansteckung und HIV-Test können deshalb zeitlich weit auseinanderliegen. Deshalb kann das RKI die Zahl der Neuinfektionen pro Jahr nur schätzen. Besonders aktuelle Trends seien mit einer gewissen Unsicherheit belastet, erläuterte Hamouda. Sie könnten sowohl über- als auch unterschätzt werden.

dpa

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