"Heilmittelbericht"

Jeder vierte Junge in logopädischer Behandlung

- Jungen brauchen Starthilfe: Laut „Heilmittelbericht“ muss inzwischen rund jeder vierte Junge (23,4 Prozent) zur Unterstützung der sprachlichen Entwicklung zum Logopäden. Auch Ergotherapeuten erleben einen Boom.

Nach der Schule steht bei vielen Jungen nicht das Fußballtraining, sondern „Ergo“ oder „Logo“ auf dem Nachmittagsprogramm. Seit einigen Jahren erlebt insbesondere die Ergotherapie in der Kinderheilkunde einen regelrechten Boom. In dem am Montag vorgestellten „Heilmittelbericht 2010“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK wird dieser Trend bestätigt.

Im Übergang vom Kindergarten zur Grundschule benötigen Jungen demnach deutlich mehr Unterstützung durch Ergotherapeuten und Logopäden als Mädchen. Laut „Heilmittelbericht“ muss inzwischen rund jeder vierte Junge (23,4 Prozent) zur Unterstützung der sprachlichen Entwicklung zum Logopäden. Bei den gleichaltrigen Mädchen waren es dagegen nur 16 Prozent. Etwa jeder siebte Sechsjährige (13,5 Prozent) – bei den Mitschülerinnen waren es 5,5 Prozent – besucht einen Ergotherapeuten.

Die Probleme der Kinder, die dort hingehen, sind vielfältig: Verzögerungen in der körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung gehören ebenso dazu wie grob- und feinmotorische Störungen, Wahrnehmungsstörungen und gestörte soziale Integration. „Wir beobachten, dass Jahr für Jahr mehr Kinder für eine gesunde, altersgerechte Entwicklung vorübergehend therapeutische Hilfe brauchen“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer des Instituts, Helmut Schröder. Kann ein Kind also mit fünf Jahren noch nicht Fahrrad fahren, kaum einen Stift halten, sich nicht konzentrieren oder nicht altersgerecht sprechen, werden häufig Therapiestunden verschrieben. Die Zahl der Behandlungen steigt seit Jahren kontinuierlich an.

„Möglicherweise zeigt sich auch an dem Anstieg der Behandlungszahlen, dass immer mehr Kinder unter schwierigen sozialen und gesundheitlichen Bedingungen aufwachsen und für die Schulfähigkeit die Hilfe von Experten benötigen“, kommentiert Schröder die Studie.

Die Hilfe, die die Kinder bekommen, kostet die gesetzlichen Krankenkassen und damit den Beitragszahler jedes Jahr Millionen. Allein die ergotherapeutischen Behandlungen schlagen für das vergangene Jahr mit etwa 574 Millionen Euro zu Buche. Für Sprachtherapien sind 390 Millionen Euro ausgegeben worden.

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