Population

Kegelrobben kehren wieder an die Ostseeküste zurück

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Foto: Kegelrobben an der deutschen Ostseeküste galten schon als ausgerottet, inzwischen erholt sich die Population und erste Tiere leben wieder vor Rügen und dem Darß.

Stralsund/Vilm - Einst galten Kegelrobben an der deutschen Ostseeküste als ausgerottet. Inzwischen erholt sich die Population, erste Tiere leben vor Rügen und dem Darß. Nun warten Forscher auf den Robben-Nachwuchs.

Die Kegelrobben kehren an die deutsche Ostseeküste zurück: Ein knappes Jahrhundert nach der Ausrottung der Tiere im südlichen Ostseeraum weisen Experten wieder eine stabile Population von 30 bis 40 Exemplaren vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns nach. „Was uns bislang fehlt, ist die Geburt eines Robbenjungen an der deutschen Ostseeküste“, sagte der Wissenschaftliche Direktor für Meeresnaturschutz am Bundesamt für Naturschutz (BfN), Hennning von Nordheim, am Mittwoch.

Angesichts der seit einigen Jahren stabilen Nachweise rechnen die Wissenschaftler damit, dass das erste Robbenbaby noch 2013 oder in den nächsten Jahren beobachtet wird – geeignet wären Plätze auf Rügen, um den Greifswalder Bodden oder an der Küste vor dem Darß und Zingst, wo bereits jetzt über das Jahr hinweg Robben beobachtet werden. „Es kann jetzt jederzeit zu einer Geburt kommen“, sagte von Nordheim. Innerhalb der vergangenen 15 Jahre hat sich die Population der Kegelrobben von 10.000 auf 25.000 Tiere in der Ostsee erhöht. Schwerpunkt ist traditionell die nördliche und zentrale Ostsee.

Eine solche Geburt werten die Fachleute als „Durchbruch“ bei der Rückkehr der Kegelrobben an die deutsche Ostseeküste. Mit der Geburt eines oder mehrerer Babys würde eine Art Besiedlungskern entstehen, sagte von Nordheim. „Robben kehren immer wieder an ihren Geburtsort zurück.“ Nach Angaben des Deutschen Meeresmuseums gebären Robben zum Beispiel bereits in Südschweden oder an der dänischen Küste.

Ende des 19. Jahrhunderts lebten in der Ostsee etwa 100.000 Kegelrobben. Durch die gnadenlose Bejagung ist der Bestand in der südlichen Ostsee bis in die 1920er Jahre ausgerottet worden. Zudem hatte die hohe Schadstoffbelastung in der Ostsee durch PCB einen Großteil der weiblichen Tiere unfruchtbar gemacht. Anfang der 1980er Jahre war der Bestand in der Ostsee auf 2500 Tiere geschrumpft.

Fachbehörden und das Deutsche Meeresmuseum wollen Einheimische und Urlauber für die Rückkehr der Robben sensibilisieren. Vor allem die zu säugenden Jungen brauchen in den ersten Lebenswochen abgeschiedene Liegeplätze. Auch zum Fellwechsel kehren die Robben an Strände zurück – und die sind im Sommer von Urlaubern bevölkert.

Unter dem Motto „Wir sind zurück“ hat das Meeresmuseum zusammen mit dem BfN, dem Landesamt für Naturschutz (LUNG) und dem Umweltverband WWF ein entsprechendes Projekt gestartet. Im Sommer werden rund 50 Strandtafeln entlang der Ostseeküste aufgestellt, sagte Koordinatorin Katharina Maschner. Das Meeresmuseum zeigt von Donnerstag an eine Wanderausstellung, die ab Frühjahr durch die Küstenregionen tourt. Sie informiert über die Biologie, Ausrottung und Wiederansiedlung und gibt Verhaltenstipps. Wichtigster Hinweis: gebührenden Abstand zu den Tieren halten.

Die Nachweisdichte der Robben ist inzwischen beachtlich: Bei jeder von 20 Beobachtungsfahrten, die Experten im vergangenen Jahr auf dem Greifswalder Bodden unternahmen, konnten die bis zu 2,2 Meter langen Meeressäuger beobachtet werden. Höhepunkt war die Sichtung von zeitgleich 25 Tieren im Frühjahr, sagte Lioba Schwarzer vom WWF.

Fischern, die mit der Rückkehr der Robben Fangeinbußen befürchten, wollen die Robbenbefürworter entgegenkommen. So könnten bei nachgewiesenen Schäden Ausfallzahlungen angeboten werden. Allerdings müsste das Fanggeschirr robbensicher gemacht werden.

dpa

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