Klimareport

Klimakiller brechen alle Rekorde

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Foto: „Die Emissionen steigen, steigen, steigen“, so die Botschaft des Weltklimarats.

Berlin - Das Ergebnis ist ernüchternd: Trotz aller Anstrengungen beim Klimaschutz ist der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen auf einen neuen Höchststand geklettert. Bevölkerungszunahme und Wirtschaftswachstum zehren Erfolge mehr als auf.

Doch noch kann die ­Erderwärmung auf ein erträgliches Maß begrenzt werden, heißt es im neuen Bericht des Weltklimarats IPCC. Dazu müssten die Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Die Bundesregierung kündigte weitere Maßnahmen an, um das Ziel zu erreichen, den deutschen Kohlendioxidausstoß bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken.

Über tausend Wissenschaftler und Experten aus aller Welt haben an dem Bericht mitgearbeitet. Auf einer Tagung in Berlin wurden die Erkenntnisse jetzt beraten. Zum Abschluss fasste der Potsdamer Klimaforscher Ottmar Edenhofer, Ko-Vorsitzender der IPCC-Arbeitsgruppe, gestern die Botschaft so zusammen: „Die Emissionen steigen, steigen, steigen.“ In den vergangenen zehn Jahren so stark wie nie zuvor. „Wir sehen eine Renaissance der fossilen Energieträger“, erklärte Edenhofer den Trend.

Auch Deutschland macht dabei keine Ausnahme. Trotz kräftigen Ausbaus der erneuerbaren Energien steigt der Kohlendioxid-Ausstoß seit 2011 – Folge der gesunkenen Kohlepreise und des Preisverfalls bei Verschmutzungszertifikaten.Dabei müssen nach Berechnungen der Wissenschaftler die weltweiten Emissionen bis 2050 zwischen 40 und 70 Prozent verglichen mit 2010 gedrosselt werden, wenn die Erderwärmung auf zwei Grad bis zum Ende des Jahrhunderts begrenzt werden soll. Geht es so weiter wie bisher, klettern laut IPCC die Durchschnittstemperaturen um bis zu 4,8 Grad. Je länger die Politik mit dem Umsteuern warte, desto teurer werde es. „Es kostet nicht die Welt, die Welt zu retten“, formulierte Edenhofer. Selbst bei ambitionierter Klimapolitik müsse man nicht auf Wachstum verzichten. Eine Zwei-Grad-Klimapolitik bedeute einen Wachstumsverzicht von gerade einmal 0,06 Prozent, rechnete der Potsdamer Professor vor.

Der Weltklimarat versteht sich als beratende Instanz für die Politik. Als eine Option, den Ausstoß von Klimagasen umzudrehen, wird auch die Atomkraft aufgeführt. Deutschland hat sich mit der Energiewende gegen diese Option entschieden. Edenhofer brachte eine andere Technologie ins Gespräch, die in Deutschland ähnlich unpopulär ist wie die Atomkraft: CCS, das Abscheiden von Kohlendioxid und Verpressen in den Untergrund. Der Wissenschaftler bezeichnete sie als „unverzichtbar“, um zu negativen Emissionen zu kommen.

Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth griff die Vorschläge umgehend auf: „Ich hoffe wirklich, dass der Gong jetzt gehört worden ist.“ Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat bereits ein Aktionsprogramm für mehr Klimaschutz angekündigt. Es soll noch vor Ostern präsentiert werden. Nach Berechnungen ihres Hauses reichen die bisherigen Schritte nur für eine CO2-Reduzierung um 33 Prozent bis 2020 aus. Um die Lücke zum 40-Prozent-Ziel zu schließen, soll es weitere Maßnahmen bei der Gebäudesanierung, in der Landwirtschaft und beim Verkehr geben.

von Arnold Petersen

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