Gipfel in Cancún

Klimawandel bedroht Schmetterlinge

- Abermillionen Monarchfalter wandern jedes Jahr zum Überwintern von den USA in das zentrale Hochland in Mexiko - doch der einzigartige Schmetterlings-Transkontinentalflug ist im vergangenen Jahr um ein Viertel zurückgegangen. Wissenschaftler prognostizieren, dass die Schmetterlinge zu den ersten massenhaften Klimaopfern gehören.

Wenn die Weltgemeinschaft zurzeit im mexikanischen Cancún einen neuen Anlauf zur Rettung des Klimas unternimmt, geschieht dies unter dem Symbol des Schmetterlings. Weiße Flaggen mit den bunten Gauklern der Lüfte leiten die Gäste zum Konferenzzentrum. Mexikos Beziehung zu den zarten Schönheiten ist eine ganz besondere, denn eine Region im zentralen Hochland zieht Schmetterlinge magisch an. Abermillionen Monarchfalter wandern Jahr für Jahr zum Überwintern von den großen Seen in den USA in dieses Gebiet, ein Schmetterlings-Transkontinentalflug, der weltweit einzigartig ist. Die Mexikaner haben für die auffällig schwarz-orange-weiß gefärbten Falter eigens ein Naturreservat eingerichtet. Doch die zarten Insekten sind bedroht – nicht zuletzt wegen des Klimawandels, sagen Forscher.

Wenn die Schmetterlinge im November in ihrem Winterquartier in den Vulkanbergen des Bundesstaats Michoacán ankommen, liegt eine Reise von rund 4000 Kilometern hinter ihnen. Zwar sind die Tiere federleicht, doch ihre Zahl ist so gewaltig, dass sich die Äste der Bäume unter den Schmetterlingstrauben biegen. Immer mehr Touristen nehmen die beschwerliche Anreise in die unwegsame Gegend in rund 3000 Meter Höhe auf sich, um den Tanz der Schmetterlinge über den Baumwipfeln und den sattgrünen Wiesen zu erleben – ein unvergessliches Spektakel, das nicht ohne Grund von der Unesco als schützenswert erachtet wird. Seit Juli 2008 ist das Biosphärenreservat „Mariposa Monarca“ Weltnaturerbestätte.

Warum begeben sich die kleinen Insekten mit ihren Miniaturmuskeln und einer Flügelspannweite von nur neun Zentimetern auf eine solche Marathonreise? Ist es der würzige Duft der Oyamel-Tannen, der die Insekten lockt? Ist es das besondere Mikroklima? Diese Fragen gehören zu den ungelösten Rätseln der Biologie. Fest steht, dass nirgendwo sonst auf der Welt Monarchfalter solche enormen Entfernungen zurücklegen. Pro Tag schaffen sie etwa 75 Kilometer. Allerdings hält kein einzelnes Tier die Strapaze aus, die Schmetterlinge pflanzen sich unterwegs fort und sterben dann. Die Nachfahren führen die Reise zu Ende.

Nun bereitet der dramatische Rückgang der Monarch-Population in Mexiko Wissenschaftlern und Umweltschützern Kopfzerbrechen. Nach einer Studie der Umweltorganisation WWF kamen im Winter 2009/2010 nur ein Viertel der Monarchfalter im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der Überwinterer habe damit den niedrigsten Stand in 17 Jahren erreicht, erklärte der Chef des Schutzgebiets, Rosendo Caro. Als möglichen Grund nannte er den Klimawandel. Auch in den Jahren zuvor gab es schon starke Einbrüche.

In der Vergangenheit wurde das Winterquartier der Monrachfalter vor allem durch illegale Abholzung gefährdet. Dadurch veränderte sich das Mikroklima, das die Schmetterlinge in den hohen Bergen schützte. Doch sei die Zerstörung der Wälder durch strengere Gesetze zurückgegangen, berichtet der Biologe Homero Aridjis. Allerdings sei eine weitaus größere Waldfläche als in den Vorjahren durch Stürme oder Erdrutsche zerstört worden. Nach den Erkenntnissen des WWF führt eine Vielzahl negativer Entwicklungen zum Schmetterlingssterben. Zu den Problemen in Mexiko gesellten sich der starke Pestizideinsatz und die Zerstörung des Lebensraums in Nordamerika.

Die Klimawandel-These wird durch amerikanische Forscher gestützt. Wie die Zeitschrift „Geo“ berichtete, prognostizieren Wissenschaftler der Universitäten Kansas und Minnesota, dass die Schmetterlinge zu den ersten massenhaften Klimaopfern gehören werden. Sie erwarten, dass in den Vulkanbergen von Michoacán mehr Niederschläge und Stürme auftreten. Monarchfalter könnten zwar trockene Kälte vertragen, aber die Kombination aus Feuchtigkeit und Kälte sei tödlich für die Wintergäste.

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