Trinkwassertest

Leitungswasser im Neuen Rathaus Hannover enthält ungesunde Keime

Hannover - Die Qualität des Leitungswassers ist in öffentlichen Gebäuden teilweise mangelhaft: Bei einem bundesweiten Trinkwassertest in zehn deutschen Städten, darunter auch Hannover, war die Hälfte der insgesamt 50 Leitungswasserproben stark verkeimt. Die Folgen sind manchmal verheerend - Experten geben Tipps zur Vorbeugung.

Trotz der Sommerpause herrschte am Dienstag im hannoverschen Rathaus hektische Betriebsamkeit: Installateure spülten die Trinkwasserleitungen durch und wechselten in einer Damentoilette die kleinen Mischdüsen an den Wasserhähnen aus, das Gesundheitsamt der Region nahm Wasserproben.

Grund war eine alarmierende Meldung aus der Redaktion des ARD-Wirtschaftsmagazins „Plusminus“. Demnach waren bei einem heimlichen Test in einer Wasserprobe aus einer Damentoilette, die auch oft von Besuchern genutzt wird, gefährliche coliforme Keime gefunden worden. Diese können vor allem bei Kleinkindern und bei älteren Menschen zu Erkrankungen führen.

Die Menge der festgestellten Keime sei gering, sagte Rathaussprecher Klaus Helmer. Daher bestehe kein Grund zur Beunruhigung. Die coliformen Keime bildeten sich meist beim fehlerhaften Anschluss von Regenwasseranlagen oder bei Wasseraufbereitungsanlagen. Da es so etwas im Rathaus nicht gebe, gehe man von einer verschmutzten Armatur aus. „Eine solche Belastung kann gerade auf einer öffentlichen Toilette jederzeit von außen bereits durch bloße Berührung an die Armatur eines Waschbeckens gelangen“, sagte Helmer. Bei dem bundesweiten Trinkwassertest in zehn deutschen Städten von TÜV Rheinland und der ARD-Sendung „Plusminus“ war die Hälfte der insgesamt 50 Leitungswasserproben stark verkeimt. In manchen Fällen sei der Keimgrenzwert um das Achtfache überschritten worden, teilte der TÜV mit. Einzelne Testergebnisse und eine Liste der untersuchten Gebäude hat der TÜV nicht veröffentlicht.

Das hannoversche Rathaus gehört seit dem Jahr 2004 zum Trinkwasser-Überwachungsprogramm der Region. Alle drei Jahre werde die Wasserqualität im Rathaus überprüft, keine Probe habe bisher eine Belastung ergeben, berichtete Helmer. Das jüngste Testergebnis der ARD werde aber im Interesse der Mitarbeiter und der Besucher sehr ernst genommen. Das Rathaus-Wasser sei zuletzt im vergangenen September untersucht worden, sagte Regionssprecherin Christina Kreutz. „Das war völlig unauffällig.“ Wann das Ergebnis der Wasserproben vorliegt, steht noch nicht fest.

Das Gesundheitsamt entnimmt Wasserproben nach der Trinkwasserverordnung. Dabei läuft zunächst das Wasser einige Zeit aus dem Hahn, dann wird der Hahn erhitzt, um dort sitzende Keime und Bakterien abzutöten. Die TÜV-Tester hatten die Proben dagegen nicht nach diesen amtlichen Kriterien entnommen. Das Rathaus war bei dem TÜV-Test das einzige in Hannover getestete Gebäude, bei dem eine Belastung des Trinkwassers festgestellt wurde. In jeder der zehn Städte hatten die Experten das Wasser in jeweils fünf öffentlichen Gebäuden untersucht, neben dem Rathaus auch in einem Krankenhaus, in einer Hochschule, in einem Seniorenheim und im Bahnhof.

Viermal wurden bei dem Test Legionellen gefunden. Sie können lebensgefährliche Lungenerkrankungen auslösen. Auf Krankenhauskeime – Pseudomonaden –, die zu entzündlichen Reaktionen im Körper führen können, stießen die Tester zweimal. „Für Menschen mit geschwächtem Immunsystem können diese Belastungen eine Gesundheitsgefährdung darstellen“, sagte Walter Dormagen, Experte für Mikrobiologie beim TÜV Rheinland. Besonders bei Legionellen bestehe akuter Handlungsbedarf. Die betroffenen Gebäudebetreiber seien informiert worden.

mit dpa

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