Begeisterung über „Curiosity“

Marsmission poliert Image der Nasa auf

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In wenigen Wochen soll der Marsrover bei seinem ersten Forschungziel – einer Stelle namens Glenelg – ankommen.

Washington - Mit riesigem Jubel feierten Nasa-Forscher vor genau einem Monat die Landung des Rovers „Curiosity“ auf dem Mars. Viele wissenschaftliche Erkenntnisse hat der Roboter noch nicht geliefert – aber dafür das Image der Raumfahrtbehörde rasant aufpoliert.

Zur Landung gab es weltweit Jubel und minutenlangen Applaus im Kontrollzentrum - und vier Wochen später hat die Begeisterung über den Marsrover „Curiosity“ kein bisschen nachgelassen. Zur Freude der Wissenschaftler der US-Raumfahrtbehörde Nasa absolvierte der Forschungsroboter bislang alle Tests erfolgreich und faszinierte die Zuschauer mit vielen Fotos vom Roten Planeten. Auch geschicktes Marketing machte den Rover und seine Entwickler weltweit bekannt. „In einer Zeit, in der die Schinderei und der Stillstand in Washington die Menschen misstrauisch gegenüber allem gemacht haben, was die Regierung anfasst, ist das ein Beweis dafür, was unser Land doch noch schaffen kann“, jubelte das „Time“-Magazin.

Dass „Curiosity“ (Neugier) bislang nur ansatzweise für die Öffentlichkeit erkennbare wissenschaftliche Erkenntnisse geliefert hat, tut der Begeisterung keinen Abbruch. Die auf etwa zwei Jahre angelegte Expedition sei ein Marathon, kein Sprint, betonen Nasa-Wissenschaftler immer wieder.

An diesem Donnerstag – exakt einen Monat nach seiner Landung – wird der bislang teuerste und technisch ausgefeilteste Marsrover aller Zeiten noch immer auf dem Weg zu seinem ersten Forschungsziel sein: einer Stelle auf dem Mars namens Glenelg. In wenigen Wochen soll er dort ankommen und erstmals seinen Bohrer einsetzen. Kleinere wissenschaftliche Experimente sind schon für den Weg dorthin geplant.

Kein Foto, kein Instrumententest und keine kurze Fahrt bleibt der Öffentlichkeit vorenthalten - dafür sorgt die Nasa. Nach nur einem Monat hat der Rover bereits Hunderttausende Fans auf Facebook und mehr als eine Million beim Kurznachrichtendienst Twitter. Neben zeitweise täglichen Pressekonferenzen hat sich „Curiosity“ seit dem Start der Mission im November 2011 bereits mehr als 1200 mal via Twitter gemeldet – immer in „Ich“-Form.

„Es ist leichter, wenn man den Rover vermenschlicht“, sagte Stephanie Smith, eine der Betreuerinnen des Twitter-Profils, dem „Forbes“-Magazin. „Die Kameras lassen ihn aussehen, als hätte er Augen. Also ist es sehr verführerisch, ihn als großartige Frau auf einem anderen Planeten mit einem Laser auf dem Kopf anzusehen.“

Auch Promis bindet die Nasa ein, um der Marsmission zu weltweitem Ruhm zu verhelfen: Die Sängerin Britney Spears twitterte beispielsweise eifrig mit „Curiosity“ hin- und her und der Rapper Will.i.am ließ seine neue Single „Reach for the Stars“ von dem Rover als erstes Lied von einem anderen Planeten zur Erde senden.

Andere Stars sind hausgemacht: Der Wissenschaftler Bobak Ferdowsi, der während der Landung im Kontrollzentrum durch seine Irokesen-Frisur aufgefallen war, wurde unter dem Spitznamen „Mohawk Guy“ innerhalb weniger Tage zur Internet-Sensation. Ferdowsi bekam Heiratsanträge per Twitter, eine eigene Radioshow und sogar US-Präsident Barack Obama witzelte in einem Telefongespräch mit Nasa-Wissenschaftlern, dass er selbst schon immer einen Irokesen-Schnitt hätte haben wollen.

All das ist Balsam für die durch Budgetkürzungen und das Ende der Raumfähren-Ära geschundene Seele der Nasa. Der Mars bleibt zwar im Fokus der Raumfahrtbehörde und bemannte Missionen dorthin sind das langfristige Ziel, aber die Finanzierung sieht alles andere als rosig aus. Das Budget für unbemannte Marsmissionen soll im kommenden Jahr um etwa ein Drittel auf rund 360 Millionen Dollar (circa 285 Millionen Euro) gekürzt werden.

2013 soll eine weitere Sonde starten, aber die nächste Mission ist dann erst wieder für frühestens 2018 geplant. „Das können wir uns gerade so leisten“, sagte Nasa-Manager John Grunsfeld dem „Time“-Magazin. Bis dahin muss also hauptsächlich „Curiosity“ für Freude im Kontrollzentrum sorgen.

dpa

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