Tierforschung

Merkel übergibt Hochsicherheitstrakt

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Angela Merkel (r.): „Der Neubau wird das wissenschaftliche Arbeiten zu Tierseuchen auf allerhöchstem Niveau ermöglichen“

Insel Riems - Die Erforschung und Bekämpfung gefährlicher Tierseuchen stehen im Mittelpunkt der Arbeit des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems. Nach fünf Jahren Bauzeit werden jetzt die Hochsicherheitslabore an die Forscher übergeben.

In Hochsicherheitslaboren und -ställen können die Tierseuchen-Forscher auf der Ostsee-Insel Riems künftig besonders gefährliche Erreger untersuchen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) übergab im Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) am Freitag den neuen Hochsicherheitstrakt an die Wissenschaftler. „Der Neubau wird das wissenschaftliche Arbeiten zu Tierseuchen auf allerhöchstem Niveau ermöglichen“, sagte sie. Mit Übergabe der Labore sind die letzten Einrichtungen des laut Merkel rund 350 Millionen Euro teuren Forschungskomplexes und damit aktuell größten Bauprojektes des Bundes in der Forschungslandschaft bezugsfertig.

Nirgendwo in Europa gibt es ähnliche Labore und Ställe der höchsten Biosicherheitsstufe 4, in denen mit Großtieren an für Tier und Mensch hochgefährlichen Erregern geforscht werden kann. Gegen Erreger dieser Klasse, darunter die des Krim-Kongo-Fiebers, von Ebola oder Sars, gibt es nach Angaben der FLI-Forscher bislang keine wirksame Impfung oder Therapie. Mit diesem Labor der höchsten Sicherheitsstufe 4 stehe am FLI-Hauptsitz der weltweit modernste Forschungskomplex für Tierseuchen, sagte Institutspräsident Thomas Mettenleiter. Vor 103 Jahren gründete der Virologe Friedrich Loeffler auf der kleinen Ostsee-Insel nördlich von Greifswald das weltweit erste Tierseucheninstitut für Viruskrankheiten.

Derzeit spielten Vogelgrippe, Schweinepest und dergleichen in Deutschland kaum eine Rolle, sagte Merkel vor einem Rundgang durch die Labore. „Aber wir wissen aus leidvoller Erfahrung, dass es sich von einem Tag zum anderen ändern kann.“ Angesichts der globalen Verknüpfungen müsse man damit rechnen, dass immer wieder und auch immer wieder neue gefährliche Krankheitserreger von sich reden machen. „Und dann heißt es, schnell und effektiv forschen und reagieren zu können.“ Auf dem Rundgang waren nur Fotojournalisten zugelassen.

Als Bundesforschungsinstitut berät das FLI mit etwa 900 Mitarbeitern und rund 80 nationalen und internationalen Referenzlaboren das Bundesverbraucherschutzministerium zu Tierseuchen, erstellt unter anderem Risikoanalysen zu Infektionskrankheiten und entwickelt Impfstoffe. Ins Blickfeld der Forscher rückten in den vergangenen Jahren immer mehr Zoonosen, also vom Tier auf den Menschen übertragbare Krankheiten wie Vogelgrippe oder BSE. Merkel sagte, die Ressortforschung des Bundes sei für die Politikberatung unerlässlich.

Die Labore und Forschungsställe für Rinder, Schweine oder Ziegen sind mit autarken Lüftungs- und Entsorgungssystemen ausgestattet. Die speziell geschulten Forscher und Tierpfleger erhalten nur mit Überdruckanzügen und über Schleusen Zugang zu den Hochsicherheitsbereichen. Die gesamte Sicherheitstechnik ist in zwei zusätzlichen Etagen über und einer zusätzlichen Etage unter den Laboren untergebracht. Die Anlagen sollen schrittweise bis 2015 hochgefahren, Mitarbeiter geschult und Notfallsituationen trainiert werden, bevor dann mit tödlichen Erregern gearbeitet wird.

Als erstes wollen die Forscher das Krim-Kongo-Fieber in den Blick nehmen. Die oft mit inneren Blutungen einhergehende Krankheit komme unter anderem in Südosteuropa vor, führe bei Tieren kaum zu Symptomen, könne aber für den Menschen tödlich sein, sagte Mettenleiter. Der Enkel des Institutsgründer, Peter Georg Loeffler (79), wertete den Neubau als „fantastische Leistung“. Er sei beeindruckt. Merkel wurde auf der Reise in ihren Wahlkreis von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) begleitet.

dpa

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