Raumfahrt

Nasa bangt um Marsmissionen

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Foto: Das von der Nasa am 14.01.2010 veröffentlichte Foto zeigt die Marsoberfläche.

Washington - Das Marsprogramm gilt als ein Kronjuwel der Nasa – jetzt fürchtet die US-Behörde, dass ausgerechnet dort aus Spargründen die Axt angesetzt werden muss. Und wie es scheint, arbeiten die Russen bereits daran, ihren Fuß in die Tür zu bekommen.

Es ist zwar noch nicht offiziell, aber Wissenschaftler bei der Nasa sind schon jetzt am Boden zerstört. Die US-Regierung muss sparen, um das gigantische Haushaltsdefizit zu verringern. Wenn also Präsident Barack Obama an diesem Montag seinen Etatplan für 2013 vorlegt, wird auch die US-Raumfahrtbehörde nicht ungeschoren davonkommen. Alles deutet darauf hin, dass die Axt bei verschiedenen Astronomie-Projekten angelegt werden muss – allem voran bei großen Marsprogrammen.

Nach Medienberichten gehen viele Wissenschaftler bereits fest davon aus, dass die Nasa aus zwei gemeinsamen Missionen mit der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa zum Roten Planeten 2016 und 2018 aussteigen muss. Anscheinend rechnet sich die russische Konkurrenz auch schon aus, in die Bresche springen zu können. Just am vergangenen Donnerstag teilte Roskosmos-Chef Wladimir Popowkin mit, dass bereits Verhandlungen mit der Esa über einen Einstieg in das zweistufige „ExoMars“-Projekt liefen.

Er habe keinen Zweifel mehr daran, dass die Nasa nicht mehr mitmachen könne, zitiert das Raumfahrtportal Space.com den Experten John Logsdon von der George Washington University. Kommt es so weit, täte das der US-Behörde zweifellos besonders weh. Denn seit zwei schweren Rückschlägen bei Missionen 1999 ist die Marsforschung so etwas wie ein Vorzeigekind für die Nasa geworden. Drei Sonden wurden erfolgreich auf Umlaufbahnen um den Mars herum geschickt, drei weitere landeten auf dem Planeten – und eine davon, der Rover „Opportunity“, ist acht Jahre nach seiner Ankunft immer noch im Einsatz.

Kein Wunder also, dass Ed Weiler, ehemaliger Chef des Wissenschaftsdirektorats bei der Nasa, das Marsprogramm als ein „Kronjuwel“ der US-Behörde bezeichnet – und sich wundert, was der zu befürchtende Aderlass ausgerechnet hier soll. „Wir betreiben all diese großartige Forschung und ziehen die Bevölkerung mit uns. Den Teppich darunter jetzt wegzuziehen, wird wirklich verheerend sein“, klagt auch Jim Bell, Präsident der Planetary Society und Mitbetreuer von „Opportunity“, in der „Washington Post“.

Den Berichten zufolge richtet sich die Nasa zwar insgesamt darauf ein, dass der Etat für das am 1. Oktober beginnende Fiskaljahr 2013 nur leicht geringer ausfallen wird als der derzeitige Haushalt von 17,8 Milliarden Dollar (13,4 Milliarden Euro). Damit sähe die Behörde angesichts des allgemeinen drastischen Sparzwangs insgesamt noch sehr gut aus. Aber was sie bedrückt, ist die Gewichtung der Ausgaben: Obama plant anscheinend eine Kürzung der Aufwendungen für Planeten-Forschungsprojekte von derzeit 1,5 Milliarden auf 1,2 Milliarden Dollar - ein Schnitt von 20 Prozent. Und weitere Kürzungen seien bis 2017 geplant, meldet etwa die „Washington Post“.

Die Zeitung zitiert aus einer E-Mail von Nasa-Sprecher David Weaver: „Im Einklang mit den harten (Spar-)Entscheidungen in allen Regierungsbereichen ... überprüft die Nasa ihre derzeitigen Marsforschungsinitiativen, um zu maximieren, was wissenschaftlich, technologisch und zur Unterstützung künftiger bemannter Missionen erreicht werden kann.“

Das heißt im Klartext: Die Nasa wird nach dem Ende der Space-Shuttle-Ära ihre Bemühungen vorantreiben, Menschen möglichst bald wieder in den näheren Weltraum zu schicken. Tatsächlich hat die Behörde erst vor wenigen Tagen bekanntgegeben, dass sie zwei Privatfirmen bei der Entwicklung kommerzieller Raumfahrzeuge in den kommenden zwei Jahren mit bis zu 500 Millionen Dollar unter die Arme greifen will.

Das Marsprojekt mit der Esa sieht die Entsendung eines Orbiters 2016 vor, der auf der Marsatmosphäre nach Methan schnüffeln soll– dieses Gas könnte auf die Existenz von Mikroben auf der Oberfläche hindeuten. Die zweite Mission 2018 zielt auf die Landung eines Rovers auf dem Planeten ab: Er soll Gesteine und Boden zur späteren Beförderung auf die Erde sammeln.

Wenn nun nichts daraus werden sollte, liegt das nach Meinung vieler Wissenschaftler an einem anderen Projekt, das der Nasa sozusagen die Haare vom Kopf frisst. Der Bau des James-Webb-Weltraumteleskops, dass das Hubble-Observatorium ablösen soll, sollte ursprünglich 1,6 Milliarden Dollar kosten. Jetzt ist man aber nach immer neuen Pannen und Verzögerungen schon bei fast 8,8 Milliarden angelangt. Der Start wird frühestens 2018 erwartet.

So breitet sich denn unter Mars-Fans anscheinend zunehmend Frust und Bitterkeit aus. Sollten die USA aus dem Deal mit der Esa aussteigen, so sagt der ehemalige Nasa-Wissenschaftler Scott Hubbard, „dann ist das eine wissenschaftliche Tragödie und eine nationale Beschämung“.

dpa

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