DNA-Analyse

Neandertaler reagierten aufs Klima

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Foto: Nach neuesten Forschungsergebnissen war es den Neandertalern in Europa zu kalt.

Burgos - Unsere Vorfahren waren offenbar doch sensibler als gedacht. Die Neandertaler lebten neuen Forschungsergebnissen zufolge nicht durchgängig in Europa.

Die Neandertaler besiedelten Europa weit weniger lange als bisher angenommen. Das berichtet das Museum für die menschliche Evolution im spanischen Burgos. Forscher aus Spanien und Schweden hatten mit modernen Untersuchungsmethoden prähistorische DNA-Fragmente untersucht. Das Ergebnis überraschte selbst gestandene Fachleute: Den Genanalysen zufolge waren die Neandertaler bereits vor rund 50.000 Jahren aus Europa verschwunden. Erst sehr viel später kehrte eine kleine Gruppe Neandertaler zurück nach Zentral- und Westeuropa, wo ihre Nachkommen dann weitere 10.000 Jahre bis zum Auftauchen der ersten modernen Menschen überlebten. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Molecular Biology and Evolution“ veröffentlicht.

„"Der Fakt, dass die Neandertaler in Europa fast ausstarben und es dann wieder besiedelten, und dass sich all das weit vor einem Kontakt mit den modernen Menschen ereignete, war eine komplette Überraschung für uns“, erklärte Love Dalén vom Naturhistorischen Museum im schwedischen Stockholm. „Vor allem, weil es darauf hinweist, dass die Neandertaler sensibler gegenüber den dramatischen Klimaveränderungen in der letzten Eiszeit gewesen sein könnten, als man bis dahin gedacht hatte.“

Für ihre Analyse hatten die Forscher DNA-Fragmente aus Fossilien von Neandertalern aus Nordspanien gewonnen. Dort wurden in der Ausgrabungsstätte Atapuerca zahlreiche Urmenschenfossilien gefunden. Gemeinsam mit einem internationalen Team von Paläontologen, DNA-Sequenzierungsspezialisten und Statistikern gelang es, die häufig sehr bruchstückhaften Überbleibsel auszuwerten.

Die genetische Variabilität der zuletzt in Europa lebenden Neandertaler war demnach sehr gering - selbst bei der modernen Bevölkerung Islands gibt es mehr unterschiedliche Genvarianten. Das weist darauf hin, dass sie aus einer sehr kleinen Gruppe hervorgegangen sind. Die vor mehr als 50.000 Jahren in Europa heimischen Neandertaler dagegen zeigten ebenso wie Vergleichsfossilien aus Europa und Asien eine deutlich höhere Variabilität.

Für die Fachleute sind die neuen Erkenntnisse extrem wertvoll, weil sie die Erforschung der menschlichen Evolution voranbringen. „Es ist sehr berührend, sich vorzustellen, wie die Ausgrabungsstätte Atapuerca in den letzten Jahren immer noch neue Entdeckungen hervorgebracht hat“, sagte Juan-Luis Arsuaga, Professor für die menschliche Evolution an der Universität Madrid. In Atapuerca wurden bereits beim Bau einer Eisenbahnstrecke Ende des 19. Jahrhunderts die ersten menschlichen Fossilien gefunden. Seitdem wird das von Höhlen durchzogene Karstgestein der Hochebene systematisch von Paläontologen ausgewertet.

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