Medizin

Neuer Ansatz für Super-Impfstoff gegen Grippe

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"In spätestens fünf Jahren wird ein Impfstoff gegen alle bekannten und wahrscheinlich auch alle noch unbekannten Grippe- Erreger in den Aptoheken stehen": Grippe-Experte der Universität Münster, Stephan Ludwig.

Münster - Wissenschaftler arbeiten an einem Super-Impfstoff gegen Grippe. Er soll den Erreger anders angreifen als gängige Präparate. Klinische Tests stehen allerdings noch aus.

Ein lebenslanger Impfschutz gegen alle bekannten Grippeviren könnte nach Expertenansicht in naher Zukunft Realität werden. "In ungefähr fünf Jahren könnte ein Impfstoff gegen alle bekannten und wahrscheinlich auch alle noch unbekannten Grippe- Erreger in den Apotheken stehen", sagte der Grippe-Experte der Universität Münster, Prof. Stephan Ludwig, der Deutschen Presse-Agentur. Bis dahin sind aber noch weitere Versuche nötig.

Tatsächlich seien die Grundlagen für einen solchen Impfstoff bereits entwickelt, er müsse allerdings noch klinischen Tests unterzogen werden. Er rechne dabei mit positiven Ergebnissen. "Falls es in der Zwischenzeit eine neue Pandemie geben sollte, wäre auch eine Schnellzulassung des Impfstoffes in ein bis zwei Jahren möglich", sagte Ludwig vor Beginn einer internationalen Tagung von Grippe-Experten und Grippe-Forschern in Münster.

Das Besondere der neuen Impfung sei, dass sie nicht wie die bisherigen Impfungen auf einen bestimmten Grippe-Erreger zugeschnitten sei, sagte Ludwig. "Stattdessen greift der Impfstoff ein bestimmtes Protein an, das sich bei allen Grippe-Erregern von der Schweinegrippe bis zur saisonalen Influenza kaum unterscheidet."

Allein die wirtschaftlichen Interessen der Pharma-Industrie könnten der Serienproduktion des neuartigen Impfstoffes nach den Tests noch im Wege stehen, sagte Ludwig. "Wenn die Produktion des Impfstoffes eventuell zu teuer ist oder die Gewinne zu gering ausfallen, kann das ein großes Problem werden."

Die Gefahr, die von der Grippe ausgehe, werde immer noch als gering angesehen.Dies sei aber eine fatale Fehleinschätzung, meint Ludwig: "Die relativ milden Verläufe der vergangenen Pandemie, der sogenannten Schweinegrippe, wiegen Ärzte und Bürger in falscher Sicherheit", erläuterte der Forscher. "Denn man sollte immer bedenken, was zum Beispiel passieren könnte, wenn sich das tödliche Potenzial der Vogelgrippe mit der rasanten Ausbreitungsgeschwindigkeit der Schweinegrippe verbindet."

Eine solche Pandemie könne ähnliche Auswirkungen haben wie die Asiatische Grippe 1957, bei der Schätzungen zufolge ein bis zwei Millionen Menschen gestorben sind. Ludwig ist Leiter des Instituts für Molekulare Virologie in Münster und Koordinator eines bundesweiten Forschungsnetzwerkes. Bei der Tagung in Münster tauschen sich von diesem Sonntag an rund 270 Wissenschaftler und Experten aus 24 Ländern über die neuesten Forschungsergebnisse aus.

dpa

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