Wissenschaftliche Studie

Neurochirurgen erforschen Hirnverletzungen in „Asterix“-Comics

- Nur mit Helm in die Schlacht: Der Lieblingssport der Comichelden Asterix und Obelix ist Römer verhauen. Neurochirurgen haben nun die Hirnverletzungen in „Asterix“-Comics erforscht – und Verblüffendes festgestellt.

Die Comic-Helden Asterix und Obelix haben einen klaren Arbeitsschwerpunkt: Römer verhauen. Von ihren Fans in aller Welt werden die rebellischen Gallier für diese Wehrhaftigkeit gefeiert. Den meisten Lesern reicht es dabei völlig aus, dass in den bunt illustrierten Heften ordentlich Aktion angesagt ist.

Eine Gruppe von Neurochirurgen der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf wollte es jedoch genauer wissen. Marcel A. Kamp, Philipp Slotty, Sevgi Sarikaya-Seiwert, Hans-Jakob Steiger und Daniel Hänggi haben alle 34 „Asterix“-Bände durchforstet und dabei akribisch die traumatischen Hirnverletzungen aus allen Kämpfen aufgelistet und untersucht. Ihre Studie haben sie jetzt in der vom Springer Verlag herausgegebenen Fachzeitschrift „Acta Neurochirurgica“ veröffentlicht.

Weder Tote noch dauerhafte Schäden

Der wissenschaftlich-medizinische Blick auf die Abenteuer von Asterix und Obelix offenbarte tatsächlich Überraschendes: Trotz der hohen Zahl von 704 Hirnverletzungen und der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Opfer durch die Schläge unter schwerwiegenden Bewusstseinsstörungen litt, gab es weder Tote noch dauerhafte Schäden. „Die meisten Figuren tauchten zu einem späteren Zeitpunkt ohne jedes Defizit wieder auf“, heißt es im Artikel. In der früher veröffentlichten Fachliteratur dagegen machen die mit Hirnverletzungen verbundenen Todesfälle 20 bis 30 Prozent aus.

Eine mögliche Erklärung für das von ihnen beobachtete Phänomen haben die Neurochirurgen gleich mitgeliefert: Zum einen sei die Beobachtungszeit nach den Schlägen meist auf wenige Minuten begrenzt. Zum anderen seien die Opfer überwiegend an der Stirn getroffen worden, was typischerweise geringere Schäden nach sich ziehe als Schläge auf den Hinterkopf. Und nicht zuletzt haben die meisten Römer Helme getragen. Selbst wenn diese meist bei den Keilereien schnell verloren gingen, könnten sie doch einen gewissen Schutz geboten haben. „Die Römer hätten aber das Zubinden der Gurte ernster nehmen sollen“, merkt der Editor in seiner Fußnote dazu süffisant an.

Auch Wikinger, Schweizer, Ägypter und Außerirdische beziehen Prügel

Im Fokus der Düsseldorfer Gruppe standen vor allem die spezifischen Risikofaktoren für die Hirnverletzungen sowie die Umstände der Schläge und der soziokulturelle Hintergrund von Opfern und Angreifern. Geschlagen wurden vor allem männliche Römer (63,9 Prozent), aber auch andere Volksgruppen wie Wikinger, Schweizer, Ägypter und sogar vier Außerirdische (!). Die Angreifer dagegen waren zu 90 Prozent Gallier, wobei das Duo Asterix und Obelix fast die Hälfte aller Opfer verhaute – vor allem unter dem Einfluss des „Zaubertrank“ genannten Dopingmittels, das den Galliern im Übrigen auch bei der Behandlung von Verletzungen gute Dienste tat.

Als nicht besonders ausgefeilt entlarvte die Studie jedoch die Methoden des gallischen Kampfes: In 98 Prozent der Fälle wurde die Hirnverletzung durch stumpfe Gewalteinwirkung ausgelöst, nur in 1,1 Prozent wurde gewürgt und ebenso selten waren Stürze. Die klinische Untersuchung der Verletzten durch Abschätzung ergab Hirnverletzungen unterschiedlichen Schweregrads – aber keine offenen Schädelbrüche. Das Verletzungsrisiko erhöhte sich drastisch, wenn die Opfer Römer waren, unter einer gelähmt heraushängenen Zunge litten, ihren Helm verloren hatten und wenn die Angreifer zuvor „Zaubertrank“ getrunken hatten.

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