Biomasse-Lieferanten

Niedersachsen soll Heimat von Mammutbäumen werden

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Foto: Mammutbäume sollen in Niedersachsen zukünftig viel Biomasse liefern.

Hannover - Mammutbäume werden bis zu 100 Meter hoch und überragen damit jeden Fabrikschlot. Ihr Stamm kann einen Durchmesser von mehr als elf Metern erreichen. Jetzt sollen die Baumriesen in Niedersachsen angepflanzt werden und gigantische Mengen Biomasse liefern.

Einst wuchsen die Riesen des Waldes auch in Mitteleuropa, wo sie jedoch während der Eiszeit ausstarben. Seit 20 Jahren erproben Wissenschaftler der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen die Wiederansiedlung der Mammutbäume in Deutschland. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend: „Die Art gedeiht in unseren Breiten problemlos“, sagt Jörg Kleinschmit, der Leiter des Sachgebietes Erhaltung und nachhaltige Nutzung der in Hann. Münden ansässigen Abteilung Waldgenressourcen.

Insgesamt 8.000 Exemplare der Baumriesen wachsen seit 1992 auf verschiedenen, insgesamt rund 20 Hektar großen Versuchsflächen in Norddeutschland. 1.000 junge Mammutbäume stehen allein im Bereich des Forstamts Münden. Bei den Züchtungsversuchen gingen die Wissenschaftler vor allem der Frage nach, ob die kälteempfindlichen Riesen hiesige Winter überstehen und das deutsche Klima vertragen. „Die Antwort ist ein klares Ja“, sagt Kleinschmit.

Dafür haben die Wissenschaftler einiges getan. Durch gezielte Selektion der letzten wilden Gebirgs-Sequoias aus den USA züchteten sie kälteresistente Ableger, die vor allem in der Jugend deutlich weniger frostempfindlich sind. „Bei der Frosttoleranz haben wir wichtige Fortschritte erzielt“, sagt der Forstgenetiker.

Haben Mammutbäume Fuß gefasst, werden sie zu Turbowachstumsmaschinen. Der aktuell größte, der „General Sherman Tree“ im kalifornischen Sequoia-Nationalpark, besitzt ein Volumen von fast 1500 Kubikmetern. Mammutbäume haben mehr Biomasse als andere Bäume – das macht sie für die Forstwirtschaft interessant. „Mit ihrer enormen Wuchskraft übertreffen sie jede europäische Nadelbaumart“, sagt Kleinschmit.

Eine erste Holzernte selbst gezogener 25-jähriger Mammutbäume ergab auf den Versuchsflächen stolze 86 Kubikmeter Holz pro Hektar. „Bei gleichaltrigen Fichten ernten Sie noch gar nichts“, erklärt der Forstwissenschaftler. Verglichen mit einer Fichte wächst ein Mammutbaum viermal schneller – in Zeiten wachsenden Rohstoffbedarfs und Kahlschlags von Regenwäldern könnte er damit zu einer gewichtigen Ressource werden. „Auch im Hinblick auf Biodiversität und Klimawandel könnte der Mammutbaum an Bedeutung gewinnen“, sagt Kleinschmit. Die aktuell sich abzeichnenden Klimaveränderungen mit mehr Hitze und Stürmen können den Baumriesen offenbar nichts anhaben, dank ihrer mächtigen Wurzeln gedeihen sie problemlos.

Inzwischen gibt es bereits die ersten Anfragen von Waldbesitzern. Das dunkelrotbraune, witterungsbeständige Holz eignet sich für viele Zwecke – für Möbel und Täfelung ebenso wie für Schindeln. „Es bedarf jedoch noch weitergehender Forschungen zu Klimawandel und ökologischer Verträglichkeit, bevor wir die Mammutbäume großflächig im Wald einsetzen können“, sagt Kleinschmit.

Heidi Niemann

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