Online-Händler Windeln.de will 2015 an die Börse

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Windeln.de wurde im Jahr 2010 gegründet und ist seitdem stark gewachsen. Foto: Sven Hoppe

Milliarden geben Eltern in Deutschland für Baby- und Kinderprodukte aus. Und immer mehr von ihnen bestellen im Internet. Die Aussicht auf frisches Kapital lockte schon Zalando an die Börse. Nun wagt sich der Online-Versandhändler Windeln.de auf das Parkett.

München (dpa) - Der Online-Händler Windeln.de will an die Börse und sich damit vor allem Geld für den Ausbau des Geschäfts mit Windeln, Kinderwagen oder Milchpumpen beschaffen.

Noch dieses Jahr soll der Schritt auf das Parkett gelingen, wie die Firma mitteilte. Damit dürfte in den kommenden Wochen mit dem Börsengang zu rechnen sein. Insgesamt will Windeln.de bis zu 200 Millionen Euro einsammeln.

Das Unternehmen verkauft Baby- und Kleinkindprodukte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Neben anderen Anbietern im Netz nimmt Windeln.de mit der eigenen Expansion vor allem Drogerien und stationäre Baby-Läden ins Visier - auch im Ausland. Eigene Seiten in Polen und Italien starten bald. Auch in China ist das Unternehmen aktiv. Ein Vorbild ist der 2005 gegründete US-Anbieter Diapers.com.

Allein in Deutschland gaben Eltern 2014 dem Marktforscher Euromonitor zufolge mehr als vier Milliarden Euro für Baby- und Kinderartikel für ihre bis zu drei Jahre alten Sprösslinge aus - zumeist allerdings noch in klassischen Geschäften. Doch die Zahl der Kunden, die im Internet bestellen, wächst auch in diesem Feld. Längst bieten etliche Anbieter Shops im Netz, etwa BabyOne oder BabyWalz. Windeln.de sieht sich hierzulande inzwischen als Marktführer - und will einen größeren Teil vom Kuchen.

"Am Anfang haben uns viele Leute gefragt, ob wir verrückt seien", sagte Firmenchef und Mitgründer Alexander Brand im Januar der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Angesichts sinkender Geburtenraten und überschaubarer Gewinnspannen war der Einstieg ein Risiko. Doch der Trend zum Einkauf im Netz trieb das Geschäft. Dabei setzt Windeln.de vor allem auf Mütter. Der Anteil weiblicher Kunden liege bei fast 90 Prozent, sie fällten die Kaufentscheidungen.

Dabei wolle man die Kunden möglichst binden. Die Hoffnung: Wer kurz vor und nach der Geburt etwa Windeln oder Milchpulver über das Netz bestellt, sei oft auch bereit, später andere, teurere Produkte wie Kinderwagen oder Autositze zu kaufen. 2014 hatte Windeln.de in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund 350 000 aktive Kunden. Wenn man von geschätzten 3,2 Millionen Haushalten mit Kindern im Alter von bis zu sechs Jahren in Deutschland ausgehe, gebe es noch ein großes Wachstumspotenzial, heißt es bei Windeln.de

Bisher war das Wachstum der 2010 gegründeten Firma aus Grünwald bei München rasant. Allein in den vergangenen drei Jahren kletterte der Umsatz von gut 21 Millionen Euro 2012 auf zuletzt mehr als 101 Millionen Euro. "Der Börsengang ist für uns der nächste logische Schritt, da wir somit eine noch stärkere Ausgangsposition schaffen, um das langfristige Wachstum unseres Unternehmens zu beschleunigen", sagte Brand. Geld verdient Windeln.de allerdings noch nicht.

2014 betrug der Verlust gut 9,8 Millionen Euro, im Jahr zuvor lag das Minus bei 12,2 Millionen Euro. Allerdings, betont die Firma, schreibe das Kerngeschäft mit dem deutschen Shop vor Steuern und Zinsen inzwischen Gewinne. An Windeln.de sind unter anderem die Investmentfirma DN Capital, Goldman Sachs und die Deutsche Bank beteiligt.

2014 war bereits der Online-Händler Zalando an die Börse gegangen. In diesem Jahr haben der Kabelnetzbetreiber Tele Columbus und der finnischen Kleinkreditanbieter Ferratum Oyj in Deutschland den Schritt gewagt. Das Umfeld ist aus Sicht von Experten günstig. Der Aktienmarkt eile von Rekord zu Rekord, die Konjunkturaussichten seien gut, sagte Martin Steinbach vom Beratungsunternehmen EY (Ernst & Young). Es warte viel Geld darauf, investiert zu werden.

Geschäftsbericht Windeln.de (2012,2013,2014)

Pressemitteilung zum Börsengang

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