Studie

Ostseefisch nach Tschernobyl immer noch radioaktiv belastet

- 25 Jahre ist die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl auf den Tag genau her. Trotzdem sind die Fische in Nord- und Ostsee immer noch radioaktiv belastet - vor allem in der Ostssee. Der Verzehr ist trotzdem unbedenklich.

Fische aus der Ostsee sind deutlich stärker radioaktiv belastet als aus der Nordsee. Der Unterschied liegt etwa beim Faktor zehn. Das geht aus einer Studie des staatlichen Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTi) hervor. Es bestehe jedoch auch bei Fischen aus der Ostsee keine Gesundheitsgefahr durch Radioaktivität.

Innerhalb der Ostsee sei die Belastung im Bereich der Kieler und Mecklenburger Bucht geringer als weiter östlich im Bornholmer Becken oder der Danziger Bucht. „Die ist immer noch eine Folge des Tschernobyl-Unfalls, bei dem der Ostseeraum besonders stark vom radioaktiven Niederschlag (Fallout) betroffen wurde“, schreiben die Autoren Ulrich Rieth und Günter Kanisch im Forschungsreport (1/2011 S. 31-34) der vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz herausgegeben wird.

Insgesamt geben die Autoren aber Entwarnung: Selbst die höhere Belastung der Ostseefische liege in einer unbedenklichen Größenordnung. „Der Verzehr von Ostseefisch und Fisch insgesamt trägt nur zu einem Bruchteil (weniger als 0,01 Prozent) der natürlichen Strahlenbelastung des Menschen bei.“ Für Cäsium-137 liegen die Werte in der Ostsee zwischen weniger als 3 Becquerel(Bq) je Kilogramm Fisch in der Lübecker Bucht und mehr als 5 Bq im Finnischen Meerbusen. Die Einheit Bq gibt an, wie viele Atome pro Sekunde zerfallen. 3 Bq bedeuten hier, dass in einem Kilogramm Fisch pro Sekunde drei Cäsium-137-Atome zerfallen. Der Grenzwert liegt bei 500 Bq.

Bei der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986 wurden große Mengen Radionukleide freigesetzt. Von besonderer Bedeutung sind dabei Strontium-90 und Cäsium-137 mit einer Halbwertszeit von etwa 30 Jahren, die sich wegen ihrer Ähnlichkeit zu Kalium und Calcium in der Nahrungskette anreichern. Das vTi für Fischereiökologie in Hamburg überwacht nach den Vorgaben des Strahlenschutzvorsorgegesetzes die Radioaktivität in Meeresorganismen in Nord- und Ostsee sowie im Nordatlantik.

Meerwasser enthalte aus natürlichen Quellen radioaktive Stoffe wie Kohlenstoff-14, Uran-238 oder Radium-226. In den 50er und 60er Jahren seien künstliche Radionukleide durch oberirdische Atomwaffentests hinzugekommen. Weitere Quellen seien Atomkraftwerke und für die Nordsee besonders die Atomaufarbeitungsanlagen Sellafield und La Hague. Außerdem tragen Öl- und Gasförderung zur Belastung bei, weil dabei auch natürliche radioaktive Stoffe wie Blei-210 oder Polonium-210 an die Oberfläche gefördert werden.

dpa

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