WWF in der Kritik

Auf den Panda fällt ein Schatten

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Foto: Profit statt Umweltschutz: Kritiker monieren, dass der WWF als Retter bedrohter Tierarten auftritt und doch mit Unternehmen zusammenarbeitet, die an der Naturzerstörung mitwirken.

Berlin - Der gute Ruf der weltweit größten Umweltschutzorganisation bekommt Kratzer. Der WWF, dessen Markenzeichen der Panda ist, galt bislang als glaubwürdig. Jetzt werden Kritiker der Organisation zu große Nähe zur Industrie vor.

Er versteht sich als „Stimme der Natur“, kämpft für den Lebensraum der letzten wilden Tiger, widersetzt sich der Zerstörung der Regenwälder und warnt beharrlich vor einer Überfischung der Meere. Die Umweltstiftung WWF (World Wide Fund for Nature) hat ein überaus positives Image.

Weltweit vertrauen Millionen Menschen der Umweltorganisation – ihr Markenzeichen, der Panda, gilt bislang als glaubwürdig. Doch der gute Ruf der weltweit größten Umweltschutzorganisation bekommt Kratzer. Zu große Nähe zur Industrie werfen Kritiker der Organisation vor. Ein „Schwarzbuch WWF“ listet zahlreiche Beispiele für fragwürdige Geschäftspraktiken der Umweltschützer auf. Schon vor dem Erscheinen hat diese Publikation heftigen Wirbel ausgelöst, nicht zuletzt, weil der WWF mit ungewöhnlicher Schärfe dagegen vorgeht.

Geht es nach dem WWF, so dürfte das „Schwarzbuch WWF – dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda“ des Filmemachers Wilfried Huismann (Gütersloher Verlagshaus, 19,99 Euro) niemals auf den Markt kommen. Noch haben die Anwälte der mächtigen Organisation mit Hauptsitz in Genf keine einstweilige Verfügung gegen das Erscheinen erreicht. Dennoch hat eine Anwaltskanzlei im Auftrag der Umweltstiftung bei Buchhändlern schon interveniert. Mit Erfolg. Nahezu alle großen Onlinebuchhändler wie Amazon oder Libri üben sich in Selbstzensur und haben das Buch vorsorglich aus ihrem Angebot verbannt. Dieses Eingreifen des Verbandes kommt nicht gut an. In der Presse ist von Zensurabsichten die Rede.

Buchautor Huismann hatte bereits mit seinem Dokumentarfilm („Der Pakt mit dem Panda“, 2010) Aufmerksamkeit erregt. In seinem „Schwarzbuch“, für das er viele Jahre in Argentinien, Indien, Indonesien und den USA recherchiert hat, wirft der dreifache Grimme-Preisträger dem WWF erneut ein unseliges Paktieren mit Großkonzernen vor. Die Organisation mache sich zum willigen Gehilfen der Industrie beim sogenannten Greenwashing. Sie verhelfe Firmen wie dem Gentechnik-Konzern Monsanto zu einem grünen Mäntelchen und sacke im Gegenzug reichlich Spenden und Sponsorengelder ein.

Die Taktik des WWF unterscheidet sich deutlich von der der großen Umweltverbände. Die Umweltstiftung setzt gegenüber Unternehmen auf eine Umarmungsstrategie. Der Panda prangt auf Fischprodukten, Joghurtbechern und Bierflaschen – was dem WWF allerdings auch Häme („Saufen für den Regenwald“) eingebracht hat. Die Kooperationspartner verpflichten sich, „nachhaltig“ und ressourcenschonend zu produzieren. Und sie bringen dem WWF Lizenzeinnahmen und Sponsorengeld. Für Huismann ist der WWF daher in erster Linie ein „Geschäftsmodell“, wie er gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ erklärte.

Firmenspenden machen nach Angaben des WWF 2011 nur sieben Prozent an den Gesamteinnahmen aus, Huismann verweist indes darauf, dass Konzerne Geld auch direkt in Projekte überwiesen. Das tauche dann gar nicht als Spende auf. International hätten die Industriepartnerschaften stark zugenommen. In Deutschland fließe hingegen viel Geld vom Staat – zuweilen auch in fragwürdige Vorhaben. So zahle das Entwicklungshilfe­ministerium für die angeblich nachhaltige Entwicklung von Palmölplantagen auf Borneo, die den Wald zerstörten.

Der Autor kritisiert nicht nur einzelne Projekte des WWF, sondern die gesamte politische Linie der Naturschutzorganisation. So würden Regenwälder in Indonesien massenhaft gerodet, seit die Europäer Palmöl als Biotreibstoff entdeckt hätten. Dennoch habe der amerikanische Energiekonzern Wilmar das begehrte Nachhaltigkeitszertifikat des WWF erhalten, weil er eine kleine Waldfläche habe stehen lassen. In Argentinien werde die landwirtschaftliche Fläche in großem Stil für den Anbau von Soja für Biosprit geopfert. Die Sojawüsten zerstörten die Artenvielfalt und trieben Kleinbauern in den Ruin. Dennoch habe der Gentechnik-Konzern Monsanto für seinen Gensojaanbau den „Persilschein“ des WWF erhalten – ein Vorgang, den andere Umweltverbände verurteilten. Der WWF fördere durch die Vergabe von Nachhaltigkeitssiegeln auch große Lachsfarmen vor der Küste Chiles. Diese Fischzuchteinrichtungen haben dort eine ökologische Katastrophe ausgelöst.

Von seiner Reise nach Indonesien hatte Huismann für seinen Film verstörende Bilder von zwangsumgesiedelten Naturvölkern mitgebracht, die den Ölpalmen weichen mussten. Auch für den Tigerschutz in Indien und den Wildschutz in Afrika habe es große Massenumsiedlungen gegeben, schreibt Huismann. Der WWF betreibe Umweltschutz als eine Art Fortsetzung des Kolonialismus. Die Organisation werde vom geheimen „Club der 1001“ gestützt, einer „Allianz aus Geld- und Blutadel“, in dem auch Kriegsverbrecher eine Rolle spielten. Ein Unfall des spanischen Königs bei der Elefantenjagd in Botswana rückte diese Verbindung in ein für den WWF unvorteilhaftes Licht; Juan Carlos ist spanischer Ehrenpräsident der Organisation.

Unter dem sympathischen Panda-Logo laufe nicht alles so umweltfreundlich, wie es scheint, resümiert Buchautor Huismann. Das will die Organisation so nicht stehen lassen. Deutschland-Sprecher Jörn Ehlers räumt ein, dass Huismann eine Menge Probleme richtig beschreibe. „Aber er tut so, als ob für alle Missstände allein der WWF verantwortlich sei“, rügt Ehlers. Die Organisation, die sich selbst als „Stimme der Natur“ begreift, steht zum Konzept der Einigung mit Unternehmen. Im Gegensatz zu Huismann halte man runde Tische für wichtig, „um die Märkte zu verändern“, sagt Ehlers. „Wenn man versucht, eine Einigung hinzukriegen, ist das aber noch nicht gleich eine Kooperation“, erklärt er. Daher wehre man sich gegen die Behauptung, der WWF habe sich mit Monsanto verbündet. Zwangsumsiedlungen von Ureinwohnern lehne der WWF schon lange ab, da habe man dazugelernt.

Der Versuch, die Veröffentlichung des Schwarzbuchs zu verhindern, dürfte dem Werk allerdings genau jene Aufmerksamkeit bescheren, die die Umweltstiftung vermeiden will. Womöglich versuchen jetzt viele, das Buch noch in der ursprünglichen Form direkt beim Herausgeber zu ergattern. Diese Gefahr ist dem WWF durchaus bewusst. „Wir nehmen billigend in Kauf, dass ein schlechtes Buch durch unser juristisches Vorgehen noch gefragter wird“, sagt Ehlers. Die Organisation wolle keine Zensur ausüben, aber „die Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen unterbinden“.

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