Studie

Bei Pflegeheim nicht auf Prüfsiegel verlassen

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Angehörige sollten sich selbst im Heim gründlich umschauen.

Berlin - Zertifikate sollen die Auswahl des Pflegeheims erleichtern. Aber inzwischen gibt es so viele verschiedene Siegel, dass die Übersicht schwer fällt. Nicht immer sagen sie viel aus. Angehörige sollten sich deshalb auf jeden selbst im Heim gründlich umschauen.

Vieler Pflegeheime lassen mittlerweile die Qualität ihrer Arbeit zertifizieren. Ein grüner Haken oder eine gute Note alleine bringen Angehörige bei der Auswahl einer Einrichtung aber nicht weiter. „Der Markt der Siegel und Zertifikate ist sehr unübersichtlich und kann nur ein grober Hinweis sein“, sagte Ralf Suhr, Vorsitzender des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP). Das technokratische Messen einzelner Kriterien wie Ernährung oder der Umgang mit Schmerzen sei für die Entscheidung im Alltag nicht immer hilfreich: „Oft müssen Heime in einer Notsituation gefunden werden“, erklärt Suhr.

Als Orientierungspunkt sollten sich Angehörige die Frage vor Augen führen: Welche Bedürfnisse hat meine Mutter oder mein Vater?

Das Problem dabei sei, zwischen eigenen Vorstellungen und denen der Eltern zu trennen. Zum anderen habe man sich oft nicht rechtzeitig darüber unterhalten, in welcher Art von Heim sie untergebracht sein möchten. Doch schon kleine Dinge können Anhaltspunkte sein: „Man weiß ja in der Regel: Schläft meine Mutter oder mein Vater morgen gerne aus? Darf man das Haustier mitnehmen? Isst er oder sie zum Frühstück lieber etwas Süßes?“. Kleinigkeiten wie diese seien für die Lebensqualität entscheidend.

In einer Studie hatte das ZQP ermittelt, dass es in Deutschland mittlerweile 20 Siegel auf dem Pflegemarkt gibt. Die Aussagekraft variiert dabei stark: Für die Vergabe mancher werden nur die Bewohner befragt, für andere auch die Mitarbeiter einer Einrichtung einbezogen.

Entscheidend für die Qualität seien unter anderem die Sauberkeit der Einrichtung oder ob das Personal freundlich ist. „Beide Dinge sind auch für Laien gut zu erkennen.“ Angehörige sollten darauf achten, nicht nur mit der Heimleitung zu sprechen, sondern am besten auch mit einigen Bewohnern. Ansonsten gelte: ausprobieren. „Gibt es ein Café, setzen Sie sich mit dazu und essen mit. Dann können sie überprüfen: ’Schmeckt das?’“, rät Suhr. In vielen Heimen werde das angeboten.

Schwieriger sei hingegen herauszufinden, ob das Personal gut ausgebildet ist. Angehörige sollten sich aber nicht scheuen, gezielt Punkte anzusprechen: „Fragen Sie nach, wie oft es in dem Heim Probleme mit Druckgeschwüren gibt. Erkundigen Sie sich, welche Konzepte es speziell für Demenzerkrankte gibt. Gibt es etwa einen geschützten Bereich im Garten, in dem sie sich bewegen können, ohne auf die Straße zu geraten?“ Natürlich könne man nicht immer sicher sein, eine ehrliche Antwort auf seine Fragen zu bekommen. Wie die Heimleitung reagiere, sei aber oft schon aufschlussreich. „Gute Heime wollen transparent sein und legen solche Sachen offen“, sagt Suhr

dpa/kas

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