Kontakt zu Landeroboter nach sieben Monaten

„Philae“ ist aufgewacht

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- Jubel am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt: Monatelang hatten die Forscher nichts mehr vom Landeroboter „Philae“auf dem Kometen „Tschuri“ gehört. In der Nacht zum Sonntag kam nun der ersehnte Kontakt – zusammen mit 300 Datenpaketen.

Wer so weit gereist ist wie „Philae“, wird das wahrscheinlich kaum nachvollziehen können: Die Ungeduld, mit der die Wissenschaftler der Europäischen Weltraumorganisation Esa seit Monaten auf den Steinbrocken namens Tschuri gucken. Die Verzweiflung, mit der sie jeden Tag wieder ihre Empfangsgeräte prüfen, weil sich der Landeroboter „Philae“ ja doch noch mal gemeldet haben könnte. Schließlich die quälende Frage, ob eine seit 1985 geplante, zehn Jahre andauernde und viele Millionen Euro teure Expedition zu einem fernen Kometen damit zu Ende geht, dass die Raumsonde versehentlich im Schatten gelandet ist. Seit Sonntag ist klar: Die „Rosetta“-Mission, eines der spannendsten Raumfahrtprojekte der vergangenen Jahre, ist noch nicht vorbei. „Philae“ ist aufgewacht.

Nach acht Monaten Funkstille sendete die Landeeinheit „Philae“ am Sonnabend um 22.28 Uhr erstmals wieder Daten von dem Kometen Tschuri zur Erde. Mehr als 300 Datenpakete konnten die Wissenschaftler bisher auswerten. Demnach hat der kleine Roboter eine Betriebstemperatur von minus 35 Grad Celsius und verfügt über 24 Watt Leistung – ein guter „Gesundheitszustand“, wie die an der Mission beteiligten Forscher vom Max-Planck-Institut Sonntag freudig mitteilten. Die Erleichterung muss groß gewesen sein.

Es war im November vergangenen Jahres, als die Sonde nach zehn Jahren Reise auf dem Kometen landete. „Philae“ hatte sich planmäßig von der Muttersonde „Rosetta“ gelöst und war auf dem Zielkometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko gelandet, der kurz Tschuri genannt wird. Doch bei der Landung ging etwas schief. „Philae“ kam nur nach einigen Hüpfern zum Stehen – und zwar an einem schattigeren Platz als geplant. Da die 100 Kilogramm schwere Sonde zu wenig Sonnenenergie erhielt, waren ihre Batterien nach 60 Stunden erschöpft. „Philae“ verstummte. Bis jetzt. „Wir sind zuversichtlich, bald wieder wissenschaftliche Messungen durchführen zu können“, sagte Hermann Böhnhardt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen. Er leitet die Landemission.

„Philae“ ist längst nicht die einzige Robotereinheit im Weltall im Dienste der Menschheit. Seit den Sechzigerjahren wurden allein zum Mars 43 Sonden geschickt. Dabei ist es eher die Regel, dass bei den komplizierten Missionen viel schiefgeht. Davon waren nur 17 erfolgreich. Allerdings ist die Erfolgsquote in den vergangenen Jahren gestiegen. So sind auf dem Mars zurzeit mindestens zwei funktionierende Landeroboter in Betrieb. Neben „Curiosity“ (2013 gelandet) dreht auch das Fahrzeug „Opportunity“ noch immer seine Runden. In elf Jahren auf dem Mars ist der Mars-Rover 42 Kilometer gefahren.

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