Gefährlicher Weg

20 Prozent der Weser-Aale sterben durch Wasserkraftanlagen

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Foto: 20 Prozent der Weser-Aale sterben durch Wasserkraftanlagen.

Hannover - Auf ihrem Weg zum Laichen vor der Ostküste der USA müssen Aale tausende Kilometer zurücklegen. Ein gefährlicher Weg, der für viele Tiere oft schon in niedersächsischen Flüssen zu Ende ist. Turbinen töten Jahr für Jahr abwandernde Aale – besonders in der Weser.

Auf dem Weg zum Laichen in der Saragossasee von der amerikanischen Ostküste kommt jeder fünfte Aal aus der Weser infolge von Wasserkraftanlagen ums Leben. Dies geht aus einer Antwort des niedersächsischen Umweltministeriums auf eine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion hervor, die der dpa vorliegt. Jährlich seien das rund 139.000 Tiere. Deutlich sicherer leben Aale dagegen in der Ems. Zwischen 2008 und 2010 seien hier nur rund 9000 Aale getötet oder schwer verletzt worden. Das entspreche nur einem Prozent der abwandernden Tiere.

In Niedersachsen gibt es im Emseinzugsgebiet 8 und im Wesereinzugsgebiet 269 Wasserkraftanlagen, die abwandernde Aale gefährden. Die Aalsterblichkeit werde zudem durch Fischerei erhöht, heißt es weiter. Zum Ausgleich würden mehr und größere Tiere in die Flüsse eingesetzt. Dagegen seien bauliche Verbesserungen an den bestehenden Wasserkraftanlagen „nur begrenzt realisierbar“.

Die Aalschädigungen könnten aber durch ein verändertes Turbinenmanagement während der Hauptabwanderungszeiten und den Transport in Gebiete ohne Mortalität erzielt werden. Auch der Turbinentyp habe direkten Einfluss auf die Gefährdung der Tiere.

Die wirtschaftlich und naturverträglich nutzbaren Wasserkraftpotenziale seien in Niedersachsen nahezu ausgeschöpft. Nur einige kleine, bisher unverbaute naturnahe Gewässer hätten noch ein erschließbares Potenzial. Trotz der Gefahr für die in den Flüssen lebenden Tiere, gelte die Wasserkraft grundsätzlich als umweltverträgliche Form der Energieerzeugung und sei eine wichtige Säule im Energiekonzept des Landes.

Der europäische Aal laicht in der Saragossasee. Die Aallarven gelangen mit der Meeresströmung an die europäischen Küsten, wo sie als sogenannte Glasaale die Küsten- und Binnengewässer besiedeln. Hier wachsen sie anschließend für einen Zeitraum von 5 bis 20 Jahren als sogenannte Gelbaale heran, bevor sie sich zu Blankaalen umwandeln und wieder in die Saragossasee zum Laichen abwandern.

Seit etwa 1980 ist die Menge der an den europäischen Küsten ankommenden Glasaale stark zurückgegangen, heißt es weiter. Dafür gebe es vielfältige Gründe, unter anderem Klimafaktoren, die sich nachteilig auf die Larvenentwicklung auswirken könnten.

dpa

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