Tierische Gesten

Raben kommunizieren wie Kleinkinder

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Raben gelten als sehr intelligente Tiere.

Seewiesen/London - Raben verwenden zur Kommunikation ähnliche Gesten wie Kleinkinder, um Artgenossen auf sich aufmerksam zu machen. Die als sehr intelligent geltenden Vögel benutzen ihre Schnäbel als Hände, um Gegenstände wie Moos, Zweige oder Steine hochzuhalten und einander zu zeigen. Ähnliche Verhaltensweisen waren bislang nur von Menschenaffen bekannt und selbst dort äußerst selten.

Raben nutzen Gesten, um Artgenossen auf einen Gegenstand hinzuweisen oder ihn zu präsentieren. Diese Verhaltensweise gilt als Vorstufe für komplexere Kommunikation und Sprache und war bisher nur von Menschen und Menschenaffen bekannt. Jetzt haben Forscher sie erstmals bei einem Vogel und damit einem nicht zu den Primaten gehörenden Tier nachgewiesen. Die Raben nutzten diese Gesten, um das Interesse eines potenziellen Partners zu prüfen oder eine bestehende Beziehung zu stärken, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Nature Communications“ (doi: 10.1038/ncomms1567). „Dass wild lebende Raben hinweisende Gesten nutzen, bestätigt erneut, dass Rabenvögel in vielen geistigen Leistungen mit Affen vergleichbar sind und diese in mancher Hinsicht sogar übertreffen“, schreiben die Forscher.

Für ihre Studie hatten Simone Pika vom Max-Planck Institut für Ornithologie in Seewiesen und Thomas Bugnyar von der Universität Wien das Verhalten wildlebender Rabenpaare in den Alpen gefilmt. Dabei beobachteten die Wissenschaftler, dass die Raben ihre Schnäbel ähnlich wie Hände einsetzten. Sie hielten Objekte wie zum Beispiel Moos, kleine Steine und Zweige hoch und zeigten sie einander. Meist sei dies zwischen Raben unterschiedlichen Geschlechts zu beobachten gewesen, sagen die Forscher. Anschließend bearbeiteten die Raben häufig das gezeigte Objekt gemeinsam oder schnäbelten miteinander.

Nach Ansicht der Wissenschaftler handelt es sich bei diesem Zeigeverhalten nicht um eine bloße Abwandlung des häufig bei Vögeln beobachteten Fütterungsverhaltens. Stattdessen ziele die Geste eher darauf ab, sich der Aufmerksamkeit des Partners zu vergewissern. Da die Raben mit ihrem einmal gewählten Partner lebenslang zusammenbleiben, diene das Verhalten wahrscheinlich dazu, diese Beziehung zu festigen, meinen die Forscher.

„Die Funktion dieser Gesten ist damit ähnlich wie bei menschlichen Kleinkindern“, schreiben die Wissenschaftler. Auch diese nutzten referenzielle Gesten vor allem gegenüber engen Familienangehörigen. Manchmal dienten sie aber auch dazu, in Situationen der Unsicherheit eine Beziehung zu anderen Personen aufzubauen oder zu stärken. Möglicherweise helfe die Schnabelgeste den Raben dabei, eine Beziehung zu einem zukünftigen Partner aufzubauen, vermuten die Forscher.

Menschliche Kleinkinder nutzen hinweisende Gesten ab dem Alter von neun bis zwölf Monaten. Wenn sie sie einsetzen, schauen sie dafür zunächst ihr Gegenüber an. Bei Blickkontakt zeigen die Kinder dann auf ein Objekt oder halten dieses zur Begutachtung mit der Hand hoch - „Schau mal!“

Der bisher überzeugendste Beleg für solche hinweisenden Gesten im Tierreich stamme von Schimpansen in Uganda, sagen die Forscher. Diese zeigen ihren Artgenossen, wo sie gelaust werden möchten, indem sie sich an dieser Stelle kratzen. Diese Geste fordere ihre Artgenossen einerseits auf, etwas Konkretes zu tun, zum anderen lenke sie die Aufmerksamkeit des Artgenossen auf die zu lausende Stelle, schreiben Pika und Bugnyar. Die Affen zeigten damit eine in der Evolution sehr seltene Form der Kommunikation.

Nun habe man belegt, dass diese Verhaltensweise auch bei anderen Tieren vorkomme. „Gestenstudien haben sich viel zu lange nur auf Primaten beschränkt. Das Geheimnis um den Ursprung menschlicher Sprache kann aber nur gelöst werden, wenn wir über den Tellerrand hinausschauen und die Komplexität von Kommunikationssystemen anderer Tiergruppen mit einbeziehen und ergründen“, sagt Simone Pika.

dpa/dapd

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