Die Papiere, bitte

Reisepass ist jetzt auch für Kinder Pflicht

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Foto: Ab dem 26. Juni 
gilt in Europa
 eine neue 
Passverordnung.

Hannover - Ab dem 26. Juni 
gilt in Europa
 eine neue 
Passverordnung. 
Auch Kinder 
brauchen dann 
ihr eigenes 
Ausweisdokument. Doch leichter 
wird das Reisen
 dadurch nicht. 
Denn welches 
Papier das richtige 
ist, entscheidet das 
jeweilige Reiseland.

Bislang war die Regelung unkompliziert und einfach: Meistens sind die Kinder in den Pässen der Eltern eingetragen, es müssen also nur die eigenen Dokumente eingepackt werden. Ab dem 26. Juni geht das nicht mehr. Jedes Kind braucht von diesem Tag an sein eigenes Reisedokument. Hintergrund ist eine EU-Vorschrift aus dem Mai 2009, als die entsprechende EU-Passverordnung geändert wurde. Damals wurde das Prinzip „Eine Person – ein Pass“ ergänzt. „Es dient der Sicherheit, wenn jede Person ihren eigenen Pass hat“, heißt es in dem Dokument. Damals wurde auch beschlossen, dass diese Regelung am 26. Juni 2012 in Kraft treten soll. Eine Übergangsfrist gibt es nicht. Ab dem vereinbarten Stichtag gilt: „Kindern ohne gültigen Pass kann im Ausland die Einreise verweigert werden“, sagt Reiserechtsexpertin Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Eltern, deren Kinder zu diesem Zeitpunkt einen noch gültigen Reisepass besitzen, müssen jedoch vorerst kein neues Dokument beantragen. Das ist in der EU-Passverordnung klar geregelt: „Für den Inhaber des Dokuments wird die ursprüngliche Gültigkeit nicht beeinträchtigt.“

Die Regelung betrifft auch Kleinkinder und Babys. Wichtig für Eltern: Wenn sich das Kind sichtbar verändert hat, müssen sie das biometrische Bild im Pass erneuern.

Je nachdem, wohin die Reise geht, können Eltern unterschiedliche Reisedokumente für ihr Kind beantragen. Für Reisen innerhalb der EU ist auch ein Personalausweis zugelassen, der auf Wunsch auch schon vor dem 16. Lebensjahr ausgestellt werden kann. Kinder ab zwölf Jahren können zudem bereits einen elektronischen Pass im Scheckkartenformat erhalten. Auch bei ihnen nimmt die zustände Behörde dann die Abdrücke zweier Finger.

Kinder bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres erhalten den neuen Kinderreisepass ohne Fingerabdrücke.

Kinderreisepass

Das Dokument wird für Kinder bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres ausgestellt. Der Kinderreisepass ist sechs Jahre gültig oder bis das Kind zwölf Jahre alt wird. Es enthält keine digitalisierten Informationen und keine Fingerabdrücke. Das Kind muss sein Dokument ab dem zehnten Lebensjahr selbst unterschreiben. Außerdem müssen die Geburtsurkunde und ein Foto eingereicht werden. Der Kinderreisepass kann in vielen Behörden sofort ausgestellt werden und kostet 13 Euro. Für 6 Euro kann das Dokument verlängert werden. Der Antrag für einen Reisepass muss von den Eltern oder gesetzlichen Vertretern des Kindes gestellt werden.

Elektronischer Pass

Die Ausweiskarte wird für Kinder ab zwölf Jahren ausgestellt, auf Wunsch aber auch schon früher. Auf einem Chip sind Daten über den Pass und seinen Inhaber gespeichert, außerdem das Lichtbild und zwei Fingerabdrücke. Der Pass ist bis zum 24. Lebensjahr sechs Jahre lang gültig, danach zehn Jahre. Er kann nicht verlängert werden. Dort müssen außerdem ein Foto und entweder der alte Kinderreisepass, Reisepass, Personalausweis oder die Geburtsurkunde vorgelegt werden. Der elektronische Reisepass kostet bis zum 24. Lebensjahr 37,50 Euro. Die Ausstellung dauert ungefähr vier bis sechs Wochen. Ein Expresspass wird innerhalb von drei Werktagen geliefert, kostet aber zusätzlich 32 Euro.

Personalausweis

Das Dokument wird in der Regel nur für Menschen ab 16 Jahren ausgestellt, auf Wunsch der Eltern aber auch schon früher. Wer 16 Jahre alt wird, muss laut Gesetz einen Personalausweis haben. Bei Minderjährigen können die Eltern oder die gesetzlichen Vertreter den Ausweis bestellen. Bei der Beantragung müssen ein Foto und entweder ein Kinderreisepass, ein Reisepass oder die Geburtsurkunde eingereicht werden. Bis zum 24. Lebensjahr betragen die Gebühren für den sechs Jahre gültigen Personalausweis 22,80 Euro. Die Wartezeit beträgt drei bis vier Wochen. Ändert sich die Adresse, wird das auf der Rückseite vermerkt. Das Dokument kann nicht verlängert werden. Es wird immer wieder neu ausgestellt.

Gut zu wissen

Neben dem Alter des Kindes – wovon hängt es noch ab, welches dieser Dokumente ich beantragen sollte?

Mit welchem Dokument ein Kind über die Grenze gelassen wird, entscheidet jedes Land selbst. Vor Reiseantritt sollte man sich deshalb über die Einreisebedingungen informieren, beispielsweise auf den Internet-Seiten des Auswärtigen Amtes oder beim Reiseveranstalter. Im Schengen-Raum, zu dem neben den 22 EU-Ländern auch Norwegen, Island, die Schweiz und Lichtenstein gehören, reicht der Personalausweis, alle anderen Dokumente gelten aber auch. In fast allen anderen Ländern wird ein Kinderpass anerkannt. Es gibt allerdings Ausnahmen, zum Beispiel die USA, wo nur der elektronische Reisepass anerkannt wird.

Mein Kind hat noch einen gültigen Kinderausweis. Kann es den noch 
benutzen?

Der Kinderausweis wird seit 2006 nicht mehr ausgestellt oder verlängert. Wenn ein Kind noch einen gültigen Kinderausweis hat, kann es mit dem auch reisen – vorausgesetzt das Zielland akzeptiert ihn.

Was muss bei den Fotos beachtet werden?

Das Foto muss scharf, gleichmäßig ausgeleuchtet und vor einem einfarbigen hellen Hintergrund aufgenommen sein. Es darf nicht schmutzig oder verknickt sein. Das Kind muss mit neutralem Gesichtsausdruck und geschlossenem Mund frontal in die Kamera blicken. Die Augen müssen klar erkennbar sein. Kopfbedeckungen sind bis auf Ausnahmen wegen besonderer religiöser Gründe nicht erlaubt. Es dürfen auch weder Spielsachen noch die Eltern oder Freunde mit aufs Foto.

Wenn jetzt alle schnell noch vor dem Sommerurlaub zum Meldeamt gehen – muss ich dann noch länger auf den Reisepass warten?

Nein. Nach Auskunft der Bundesdruckerei gibt es derzeit zwar eine größere Nachfrage nach Reisedokumenten, die Wartezeiten verlängern sich aber nicht.

Muss ich noch an weitere Dokumente für mein Kind denken?

Falls beispielsweise nur ein Elternteil die Großeltern oder mit dem Kind unterwegs sind, empfiehlt die Verbraucherzentrale eine sogenannte Personensorgevollmacht. Dabei handelt es sich um ein Blatt Papier, auf dem steht, dass beispielsweise die Großeltern entscheidungsbefugt sind und den Auftrag haben, für das Kind während der Dauer der Reise zu sorgen. Manche Länder verlangen diese Dokument sogar bei der Einreise.

Wer beantwortet Fragen?

Die Bundespolizei hat eine Info-Hotline eingerichtet. Sie ist zu erreichen unter Telefon (08 00) 6 88 80 00.

Christina Horsten

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