Arzneimittelreport

Riskante Pillen für Alkoholiker und Demente

Berlin - Risiko Tablettenverschreibung: Viele Altersverwirrte werden einer neuen Studie zufolge in Pflegeheimen ruhig gestellt. Alkoholiker bekommen süchtig machende Schlafmittel - und junge Frauen unnötig riskante Antibabypillen.

Trotz erheblicher Risiken bekommen Alkoholiker und Demenzkranke einem neuen Arzneimittelreport zufolge in großem Stil Schlaf- und Beruhigungspillen. Altersverwirrte in Heimen würden damit ruhiggestellt, weil es an Pflegerkräften fehle, kritisierte der Autor der Studie, der Bremer Forscher Gerd Glaeske, am Mittwoch in Berlin. „Das Problem wird sich verschärfen“, sagte er angesichts der stark steigenden Zahl von Dementen und des Mangels an Pflegepersonal.

Während die Hälfte der Demenzkranken mit Pflegestufe drei Neuroleptika bekämen, seien es sonst nur rund ein Drittel dieser Pflegebedürftigen. Die Mittel erhöhten aber das Sterblichkeitsrisiko. Der Report der Krankenkasse Barmer GEK ist nach Angaben von Glaeske repräsentativ für die Gesamtbevölkerung.

Hunderttausende Alkoholabhängige erhalten demnach zudem starke Schlafmittel, die zusätzlich süchtig machen. „Das ist ein Kunstfehler, Abhängigen Benzodiazepin zu verordnen“, kritisierte Glaeske. Zwischen 13 und 14 Prozent der rund 1,6 Millionen Alkoholabhängigen bekämen solche Mittel.

Der Report bemängelt auch, dass viele vor allem junge Frauen neuartige Antibabypillen bekämen. Das Risiko von Gefäßverschlüssen liege dabei doppelt so hoch wie bei älteren Präparaten, die genauso gut wirkten. Grund sei, dass die Pharmaindustrie diese teuren Präparate massiv bewerbe. „Ich würde darauf drängen, dass Frauen sehr viel mehr mit ihren Ärzten darüber sprechen“, riet Glaeske.

Bei den Ausgaben für Arzneimittel zeichnet der Report ein gemischtes Bild. Laut dem Vizechef der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, wurden die die Ausgabenzuwächse durch die Spargesetze der Regierung gedrosselt.

Ein starkes Kostenplus gebe es aber bei gentechnisch hergestellten Mitteln (Biologicals) etwa gegen Rheuma, Multiple Sklerose oder Krebs. Im vergangenen Jahr sei es hier zu Steigerungsraten zwischen acht und 17 Prozent gekommen. Auf rund 0,8 Prozent aller Versicherten entfielen damit 30 Prozent der Arzneimittelausgaben.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare