SpaceCup des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Roboter im Wettstreit

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Foto: Studenten und Dozenten vom Team "Berlin Rockets" bereiten ihren Roboter "Bear" auf den Start vor.

Rheinbreitbach/Bonn - Ohne Roboter wäre die Erkundung des Universums unmöglich. Sie bereiten den Weg für ferne Missionen. Beim ersten deutschen SpaceCup treten Roboter gegeneinander an, die es ins All schaffen könnten.

Kaum hat der Roboter zur Landung auf dem fernen Planeten aufgesetzt, rotieren schon seine Kameras und Laserscanner. Der Rover - klein wie ein Bobbycar - erkundet die neue unwegsame Umgebung, setzt sich nach wenigen Minuten ruckelnd in Gang. Als die vier Metallfinger seines Greifarms sich um ein Objekt am Boden schließen, brandet Applaus auf - von Wissenschaftlern und Raumfahrtfreaks in Rheinbreitbach bei Bonn, die einen ungewöhnlichen Wettstreit verfolgen.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat für den SpaceBot Cup eine Crosshalle in eine Weltraumlandschaft verwandelt. Beim ersten deutschen Weltraum-Robotik-Wettbewerb schicken zehn Teams zwei Tage lang ihre Konstruktionen ins Rennen.

Der Wettbewerb ist "eine Leistungsschau der deutschen Robotik", betont Gerd Gruppe, DLR-Vorstand für Raumfahrtmanagement. Und ein Blick in die nähere Zukunft. Von dem, was beim Cup gezeigt werde, könne manches in fünf bis zehn Jahren nach weiteren Tests womöglich real in der Raumfahrt eingesetzt werden. Robotik-Experte Bernd Sommer erklärt die höchst anspruchsvollen Jobs, die die Leichtgewichte unter 100 Kilogramm möglichst autonom in 60 Minuten bewältigen müssen: sich orientieren im unebenen Terrain, Bodeneigenschaften untersuchen, vermessen, Objekte aufspüren, sie aufgreifen und transportieren.

Keine Hightech-Spielereien, sondern essenzielle Aufgaben, die robotische Systeme in der Raumfahrt tatsächlich beherrschen müssen. Das Publikum schaut gebannt auf jede Bewegung der Technikwesen. Der Roboter des Teams Artemis (Universität Bremen und Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz) bewältigt eifrig seinen Parcours. Auf sechs Rädern ist er einer der größeren Rover, schafft es sogar über einen Graben und nimmt einen Hügel in Angriff. Ein anderes Team - Studenten der Jacobs Universität in Bremen - fiebert mit seinem Rover ebenfalls mit. Die kompakte Maschine bewegt sich zielstrebig auf vier Rädern durchs Gelände, findet einen Wasserbecher und einen größeren zweiten Gegenstand, greift aber nicht zu. Der kleine Kerl vom NimbRo-Centauro-Team der Uni Bonn zeigt sich besonders wendig im Rennen und schafft sich viele Fans im Publikum. Ein grüner Lauf-Roboter des Forschungszentrums Karlsruhe erinnert so manchen an einen überdimensionierten Grashüpfer. Wie auf Missionen im All geht es auch in Rheinbreitbach nicht ohne Rückschläge ab. So scheitert etwa das Team Space-Bot 21 von der Hochschule 21 in Buxtehude an seiner Flugdrohne. Weil die ausfällt, kommt der Hauptroboter gar nicht richtig in Gang. Jede Maschine hat ihren eigenen "Charakter": Mal liegt der Schwerpunkt auf der Motorik mit bis zu acht Rädern und teilweise Bein-ähnlichen Konstrukten, mal wirken die Greifkonzepte besonders ausgereift. Andere Jungwissenschaftler haben den Fokus aufs Programmieren gelegt, denn der Wettbewerb schreibt Autonomie und intelligentes Verhalten der Roboter besonders groß. Die "Bodenstation" hat keinen Sichtkontakt zum Roboter und darf maximal dreimal einschreiten.

Jakob Schwendner, Informatiker im Bremer Artemis-Team, spricht von einem Parcours mit "sehr vielen schwierigen Teilaufgaben." Einen Wettbewerb der europäischen Raumfahrtagentur Esa in einem Krater auf Teneriffa hatte Artemis mit Roboter Cesar 2008 für sich entschieden. "Diesmal haben wir einen besonders geländegängigen Roboter konstruiert. Auf der mechanischen Ebene sind wir gut aufgestellt." Und: "Wir haben die Möglichkeit, unser System in einer spannenden Umgebung in seiner Gesamtheit zu testen und sehen zugleich was die anderen treiben. Das macht den Wettbewerb so interessant." Auch das Bundeswirtschaftsministerium verfolgt Projekt und Präsentation höchst aufmerksam - und fördert den Wettbewerb mit 500 000 Euro. 50 000 Euro pro Team. Eine "abgefahrene Veranstaltung", freut sich Sven Halldorn, Leiter der Abteilung Technologiepolitik. Die Raumfahrt-Robotik sei inzwischen zur Schlüsseltechnologie aufgestiegen. "So ein Wettbewerb ist ausgesprochen wichtig für uns."

dpa

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