Ungemessene Formulierung

Röslers „Anschlussverwendung“ als „Unwort“ vorgeschlagen

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Philipp Rösler hat in der Schlecker-Krise den Begriff „Anschlussverwendung“ benutzt - die Formulierung ist als „Unwort des Jahres“ 2012 vorgeschlagen worden.

Darmstadt - Ob Herdprämie, Tätervolk oder zuletzt Döner-Morde: Diskriminierende, verharmlosende oder in die Irre führende Begriffe können „Unwort des Jahres“ werden. Im Rennen ist diesmal unter anderem der Begriff „Anschlussverwendung“.

Der von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) in der Schlecker-Krise benutzte Begriff „Anschlussverwendung“ ist als „Unwort des Jahres“ 2012 vorgeschlagen worden. „Das wurde sehr häufig genannt“, sagte die Sprecherin der Jury, Sprachwissenschaftlerin Nina Janich von der Technischen Universität Darmstadt. Rösler hatte den von Entlassungen betroffenen Frauen der Drogeriekette Schlecker empfohlen, selbst eine neue Arbeit zu finden und dies als „Anschlussverwendung“ bezeichnet.

Die Entscheidung der „Unwort“-Wahl soll am 15. Januar 2013 in Darmstadt bekanntgegeben werden. Die Jury will auf falsche und ungemessene Formulierungen aufmerksam machen. Sie besteht aus sechs Mitgliedern, vier davon sind Sprachwissenschaftler. Im vergangenen Jahr war die Bezeichnung „Döner-Morde“ für die Mordserie der rechtsextremistischen NSU-Terroristen zum „Unwort“ gewählt worden.

Für dieses Jahr gingen bisher etwa 1300 Einsendungen ein. 2011 waren es 2420 gewesen - ein Rekord. Zu den Vorschlägen gehören dieses Mal auch „Kampfradler“, eine Bezeichnung für Fahrradfahrer, die sich zunehmend rücksichtlos verhalten. Genannt wurden auch „Gerechtigkeitsterror“ und „Sozialromantik“.

dpa

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