Steinschlag aus dem All

Russischer Ort hofft nach Meteoriteneinschlag auf Ruhm

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Foto: Der Kondensstreifen eines Meteoriten über der Stadt Tscheljabinsk im russischen Ural. Angesichts des Meteoriten-Einschlags in Russland haben die Vereinten Nationen (UN) eine bessere internationale Zusammenarbeit und Vorbereitung auf solche Ereignisse gefordert.

Moskau/Wien - Ein russischer Provinzort träumt nach dem Absturz eines Meteoriten von Weltruhm. UN-Experten fordern unterdessen eine internationale Zusammenarbeit beim Schutz vor Steinschlag aus dem All.

Der verheerende Meteoriteneinschlag am Ural hat den russischen Ort Tschebarkul plötzlich weltberühmt gemacht - jetzt wollen die Einwohner durch den Himmelskörper auch reich werden. „Die Stadt hat eine gute Chance, nicht nur im Reiseführer erwähnt zu werden, sondern auch auf kreative Art Geld zu verdienen", schrieb Bürgermeister Andrej Orlow am Mittwoch in seinem Blog. In Wien forderten die Vereinten Nationen (UN) unterdessen eine bessere internationale Vorbereitung auf Einschläge aus dem All. Beim Niedergang des Himmelskörpers waren am vergangenen Freitag mehr als 1500 Menschen verletzt worden und schwere Sachschäden entstanden.

Bürgermeister Orlow forderte die 40.000 Einwohner von Tscherbakul zu Vorschlägen auf, wie sich der Ort rund 80 Kilometer westlich der Millionenstadt Tscheljabinsk vermarkten könne. „Unsere kleine Stadt ist plötzlich im Zentrum des Weltinteresses und auf den Titelseiten der internationalen und russischen Presse", meinte der Politiker. Er schlug Schiffstouren über den See vor, in dem Forscher das Kernstück des „Meteoriten von Tschebarkul" vermuten. Reisebüros hätten bereits Anfragen aus Japan erhalten. Bisher haben Forscher nach eigenen Angaben Splitter des 10.000 Tonnen schweren Himmelskörpers gefunden.

In Wien sprachen sich Raumfahrtexperten für ein internationales Netzwerk zur Warnung vor Gefahren aus dem All aus. Die Expertengruppe des UN-Büros für Weltraumfragen (UNOOSA) arbeite Vorschläge aus, die im kommenden Jahr von der UN-Vollversammlung in New York abgesegnet werden sollen, hieß es. Der Einschlag habe das Bewusstsein dafür geschärft, dass solche Dinge passieren können, sagte der Chef des NASA-Programms für die Beobachtung erdnaher Objekte, Lindley Johnson.

Mit ihren Empfehlungen beziehen sich die Experten überwiegend auf Himmelskörper mit einem Durchmesser von über einem Kilometer. Dies sei die Grenze, ab der man im Falle eines Einschlags mit weltweiten Konsequenzen rechne. Die Wissenschaftler wollen nun ein Netzwerk und Expertengruppen etablieren. „Wenn es dann eine Bedrohung gibt, muss man nur die Schublade öffnen und hat die richtige Mission parat", sagte der Chef des UN-Aktionsteams für erdnahe Objekte, Sergio Camacho. Die Entscheidung müsse dann auf politischer Ebene fallen.

Im Falle eines Meteoriten-Einschlags mit weltweiten Folgen diskutieren die Experten Abwehrtechniken von einer Änderung der Flugbahn durch einen Raketeneinschlag bis zur Atombombe. Eine akute Bedrohung gebe es die nächsten 100 Jahre aber nicht. „Sie können ruhig schlafen", sagte Johnson. Eine mögliche Bedrohung würde „Jahre zuvor entdeckt". Der Einschlag in Russland hätte auch bei der Umsetzung ihrer Empfehlungen nicht verhindert werden können, sagten die Experten. Die Menschen hätten aber vorbereitet werden können.

Auch die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos forderte eine internationale Zusammenarbeit beim Schutz gegen Meteoriten. Eine Lösung dieses komplexen technischen Problems koste aber viel Geld, sagte Roskosmos-Vize Sergej Saweljew der Agentur Interfax zufolge.

dpa

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