Experten warnen

Schildkröten sind kein Weihnachtsgeschenk

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Tierschützer warnen davor, die Tiere als Weihnachtsgeschenk zu benutzen. Die anfangs kleinen Schmuckschildkröten wachsen enorm und werden bis zu 20 Zentimeter groß.

Osnabrück - Babyschildkröten sind einfach süß - winzig klein schauen die jungen Gelbwangen-Schmuckschildkröten unter ihrem Panzer hervor. Sie werden aber nicht nur größer, sondern können auch Krankheiten übertragen, warnen Kritiker.

Sie sind gerade einmal so groß wie zwei Zwei-Euro-Münzen und bedienen das Kindchen-Schema. Die Gelbwangen-Schmuckschildkröte sieht als Baby niedlich und süß aus. Aber: Schildkröten sind keine Kuscheltiere für Kinder, warnt der Osnabrücker Journalist und Filmautor Winfried Brüssing. Unter dem Motto "Gefahr kann ja so niedlich sein" will er eine Informationskampagne unter Ärzten und Zoohändlern starten. „Schildkröten wie alle Reptilien sind große Übertrager von Salmonellen", sagt Brüssing. In den USA, England und Österreich sei es schon zu Todesfällen gekommen.

Für seine Aktion wird Brüssing fachlich von dem Kinderarzt Prof. Karl Ernst von Mühlendahl unterstützt. Der langjährige Leiter einer Kinderklinik betreibt die gemeinnützige Kinderumwelt GmbH, eine kinderärztliche Beratungsstelle für Allergie- und Umweltfragen. „Man muss aufklären, dass Schildkröten häufig Salmonellenträger sind", sagt der Mediziner. Er verweist auf eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2008, wonach es eine bundesweite Häufung von Salmonellen-Infektionen bei Kindern gegeben hat.

Das Problem: Eine solche Infektion würden die meisten Kinderärzte gar nicht mit der Haltung von Reptilien in Verbindung bringen, sagt von Mühlendahl. Salmonellen-Erkrankungen äußern sich überwiegend in Durchfällen, die oft nach kurzer Zeit wieder vorübergehen. Erst bei hartnäckigeren Erkrankungen würden die Mediziner genauer untersuchen. Er wolle über seinen Informationsdienst Kindermediziner und Eltern auf das Problem verstärkt hinweisen, sagt von Mühlendahl.

Jedenfalls müssen Eltern darauf achten, dass schon ein Anfassen der Tiere Krankheiten übertragen kann - Händewaschen danach sollte eigentlich Pflicht sein, und dass Kinder die niedlichen Schildkröten nicht in den Mund nehmen, erst recht. "Es ist generell wichtig, nicht nur bei Reptilien, dass Eltern den Umgang mit den Tieren beaufsichtigen", sagt Antje Schreiber, Pressesprecherin des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands (ZFF).

Ihr Verband empfehle den Zoofachhändlern, Kunden auf die Gefahr einer Salmonellenübertragung hinzuweisen, sagt Schreiber. Zahlen darüber, wie viele Schildkröten jedes Jahr verkauft werden, gebe es nicht. „Allerdings werden für Kinder eher Landschildkröten angeschafft, die im hauseigenen Garten leben. Hier sind Spontankäufe jedoch zur Ausnahme geworden, da die Preise enorm gestiegen sind", betont die Pressesprecherin.

Deutlich wird hingegen Stefan Bramkamp, Leiter des Aquariums im Zoo Osnabrück. „Tiere kommen generell nicht als Weihnachtsgeschenk infrage." Gerade die anfangs kleinen und süßen Schmuckschildkröten wachsen enorm und werden zum Schluss bis zu 20 Zentimeter groß. Da würden schnell teuere Investitionen in ein entsprechend großes Aquarium und ergänzende Technik wie Licht und Filter notwendig. Die Konsequenz: Viele Tiere werden irgendwann ausgesetzt und auch den Tierparks heimlich in die Gehege gesetzt. „Da leiden alle Zoos drunter", sagt Bramkamp.

Sein Tipp für Menschen, die sich wirklich für Terraristik interessieren: Bei den Reptilien-Auffangstationen nachfragen. "Da kriegt man große Schildkröten für ganz günstiges Geld. Und die Stationen sind froh, wenn ihnen die Tiere abgenommen werden."

dpa

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