Vom Alltag im All

Schlafen ohne Schwerkraft

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Dortmund - Kann man in der Schwerelosigkeit duschen? Wie schlafen Astronauten, wenn Liegen physikalisch unmöglich ist? Hält man es in einem engen Raumschiff aus, wenn man nicht einfach mal nach draußen gehen kann? Drei Raumfahrer haben in Dortmund aus dem Alltag im Weltraum erzählt.

Der schwedische Astronaut Christer Fuglesang driftet durch einen langen Gang in der Internationalen Raumstation ISS. Er fliegt an grau-weißen Wände mit blauen Griffen an allen Seiten entlang. "Juhu!", ruft Fuglesang. Auf einmal dreht sich der Raum, was vorher oben war ist unten, rechts ist plötzlich links.

"Diese Simulation kommt der Realität ziemlich nahe", sagt sein Kollege William A. Oefelein neben ihm mit Blick auf den virtuellen Innenraum der ISS in Dortmund. Er muss es wissen - genau wie Fuglesang war der US-Amerikaner tatsächlich schon einmal auf der ISS im Weltraum. Fuglesang und Oefelein sind zu Gast auf dem Weltkongress der Astronautenvereinigung ASE, der bis Freitag in Köln stattfindet. An ihrem "Ausschwärmtag" haben sie zusammen mit dem russischen Kosmonauten Sergej Saljotin am Mittwoch die Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund besucht. In der dort aufgebauten Virtuellen Fabrik bewegen sich die drei Wissenschaftler mit einem Joystick und 3D-Brillen ausgestattet durch ihre ehemalige Arbeitsstätte - die ISS.

Duschen im Weltall? Geht nicht!

Einen großen Unterschied gibt es natürlich: Die Schwerelosigkeit kann nicht simuliert werden. Gerade die macht den Alltag im Weltraum aber zur Herausforderung, erzählen die Raumfahrer. Das fängt schon bei der täglichen Körperhygiene an. Duschen zum Beispiel ist im Weltraum nicht möglich. "Das Wasser würde nicht nach unten fließen", erklärt Fuglesang. Aber: "Man kann Wasser in ein Handtuch geben und dann das nasse Handtuch benutzen." So geht der Astronaut auch beim Haare-Waschen vor - und er verwendet ein spezielles Shampoo, das besonders wenig Wasser braucht.

Auch Schlafen funktioniert in der Schwerelosigkeit nicht wie auf der Erde. Damit die Raumfahrer nicht davondriften, kriechen sie in eine Art Campingsack, der an der Wand festgeschnallt ist. "Am Anfang wusste ich nicht, wie ich da schlafen soll", sagt der russische Kosmonaut Saljotin. Auf der Erde liege er entweder auf der rechten oder auf der linken Seite - aber ohne Schwerkraft könne man nicht liegen. Nach einiger Zeit habe er herausgefunden, dass er sich im Campingsack wie ein Embryo zusammenknüllen kann. Mittlerweile findet er den Schlaf im Weltraum sehr erholsam. "Ich liebe das", sagt er.

Noch ein Gutes hat die Schwerelosigkeit: Die Raumfahrer können den gesamten Raum in der ISS nutzen. "Am Anfang sieht das nicht nach viel Platz aus", sagt der Amerikaner Oefelein und deutet auf die Simulation in der Virtuellen Fabrik. "Aber wir fliegen in die Ecken und auf die Decke. Wir laufen nicht nur auf dem Boden herum." Platzangst habe er nie bekommen. Auf den Alltag ohne Schwerkraft mit all seinen Hindernissen und Tricks bereiten sich die Raumfahrer jahrelang vor. "Ich habe viel mit anderen Leuten gesprochen, die schon oben waren", erklärt Fuglesang. "Natürlich ist es dann anders, wenn man selbst da ist. Aber große Überraschungen gibt es nicht wirklich." Der studierte Ingenieur wurde 14 Jahre lang ausgebildet, bevor er zum ersten Mal in den Weltraum fliegen durfte. Die Mühe habe sich gelohnt. "Es war das wunderbarste Erlebnis in meinem Leben."

dpa

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