Tierseuche

Schmallenberg-Virus macht Tierhalter ratlos

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Das für Schafe und Rinder gefährliche Schmallenberg-Virus bereitet Tierhaltern in Niedersachsen zunehmend Sorge.

Hannover/Bleckede - Die Tierseuche war bislang unbekannt und ein Impfstoff ist noch nicht verfügbar: Das Schmallenberg-Virus macht Schafhaltern Angst, hunderte Lämmer wurden bereits verkrüppelt oder tot geboren. Die Hoffnung ist, dass das Ausmaß der Seuche begrenzt bleibt.

Der wirtschaftliche Schaden ist das eine, der Anblick der missgebildeten und toten Lämmer das andere: Das vor wenigen Monaten noch unbekannte Schmallenberg-Virus macht Schafhalter Stefan Erb in Bleckede bei Lüneburg schwer zu schaffen. Bisher sind ein Fünftel seiner Lämmer betroffen, es gab 50 Totgeburten. "Das sind relativ viel und wir sind noch mittendrin in der Lammung", sagt der Landwirt. Mit ihm sind 27 Betriebe in 16 niedersächsischen Landkreisen von der neuen Tierkrankheit betroffen, in sechs Bundesländern und vier EU-Staaten wurden Fälle registriert. Die Suche nach einer Impfung oder Prophylaxe steht noch am Anfang.

"Da kommen dann diese missgebildeten Lämmer zur Welt, extreme Schwergeburten, man kriegt die fast nicht runter vom Schaf", beschreibt Erb die Tortur für Mensch und Tiere. "Für die Psyche ist das schwierig, für mich und meine Mitarbeiter", sagt er knapp zu dem, was ihn und viele Kollegen belastet. "Alle Schäfer insgesamt hoffen, dass die Welle abebbt." Möglicherweise seien die Tiere nur vorübergehend für den über Mücken übertragenen Virus anfällig gewesen. "Wenn 20 Prozent der Lämmer befallen sind, ist das ein ganz schöner wirtschaftlicher Schaden", meint er zu den Folgen.

"Die Schafzüchter wollen wissen, womit sie es zu tun haben", erklärt die Sprecherin des Landesbauernverbandes, Gabi von der Brelie, in Hannover. "Das beunruhigt die Leute schon, notwendig ist ein Monitoring. Wir begrüßen, dass eine Meldepflicht kommt." In einem nächsten Schritt sei Prophylaxe gefragt, um für die Folgejahre zu verhindern, dass das Virus erneut übertragen werden kann. Geschaut werden müsse unterdessen auch, was den Betroffenen an Hilfe angeboten werden könne. Dazu wolle der Bauernverband an Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) herantreten. "Für die einzelnen ist das ein herber Schlag."

Die Tierhalter bleiben auf dem wirtschaftlichen Schaden sitzen

"Es sind Schicksale und Dramen, die sich da abspielen", berichtet Tierzuchtreferent Klaus Gerdes von der Landwirtschaftskammer in Oldenburg. Das Hauptproblem sei die Geburt an sich. "Man kann allen nur empfehlen sehr aufmerksam zu sein, wenn sich die Geburt verzögert und schnell einzugreifen, damit das Muttertier nicht stirbt." Auf dem wirtschaftlichen Schaden blieben die Tierhalter zunächst sitzen, da die Tierseuchenkasse nur bei anerkannten Krankheiten zahle - im konkreten Fall käme allenfalls eine Härtefallregelung in Betracht.

In Niedersachsen gebe es 12.000 Schafhalter, von denen 80 Prozent allerdings weniger als 20 Schafe hätten. Für die geringere Zahl der Haupterwerbsbetriebe könne die wirtschaftliche Situation noch schwierig werden, befürchtet Gerdes. Erst im Februar und März würden die meisten Lämmer geboren und das wahre Ausmaß der Erkrankungen sichtbar. "Das kann noch viel, viel schlimmer kommen." Neben dem Verlust an Lämmern drohten Handelsbeschränkungen. Mexiko und Russland hätten nach seinem Wissen bereits eine Einfuhrsperre erlassen.

Auf der Suche nach Herkunft und Heilung gibt es noch keine klaren Antworten. Möglicherweise sei die Krankheit beim Import von Tieren über die Niederlande nach Europa gelangt, mutmaßt von der Brelie. "Es sind nicht alle Betriebe betroffen - warum, das wissen wir noch nicht", sagt Gerdes. Selbst bei Zwillingsgeburten könnten zugleich ein gesundes und ein verkrüppeltes Lamm zur Welt kommen. Bis ein Impfstoff entwickelt sei, könnten eineinhalb Jahre vergehen. Einzige Gewissheit bisher: Für Menschen besteht den Angaben zufolge kein Gesundheitsrisiko durch den Erreger.

jhf/dpa

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