Heiraten am 11.11.11

Schnapszahl-Hochzeiten bringen selten Glück

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Foto: Alles eine Frage das Datums? Ehepaare sollten es mit der Planung nicht übertreiben.

- Ansturm auf die Standesämter: Auch in diesem Jahr gibt es ein Datum, an dem die Hochzeit vermeintlich mehr Glück verspricht als sonst. Der 11.11.11 steht bei zukünftigen Ehepaaren hoch im Kurs: Zu Unrecht.

Da gibt’s nichts zu beschönigen: Das Wort „Schnapszahl“ hat seinen Ursprung im Alkoholismus. Durch übermäßigen Genuss von Hochprozentigem tritt „doppeltes Sehen“ auf, was aus einer „1“ optisch eine „11“ macht oder gar – da müssen dann aber schon ordentlich Promille auf dem Kessel sein – eine „111“. Der Volksmund machte daraus die „Schnapszahl“. Der sprachhistorische Bezug zum Suff hält viele Paare nicht davon ab, für ihre Hochzeit ein Schnapszahl-Datum zu wählen. Vorteil: Der Hochzeitstag ist leicht zu merken. Nachteil: An Schnapstagen geschlossene Ehen bringen selten dauerhaftes Glück.

Wenn die oberflächliche Ästhetik des Datums wichtiger wird als die innere Überzeugung des Paares, sieht es düster aus für die Haltbarkeit einer Ehe. Das gilt auch für den nahenden 11. 11. 2011. „Es gibt ein deutlich höheres Scheidungsrisiko bei Schnapszahl-Hochzeiten“, sagt die Psychologin und Paartherapeutin Felicitas Heyne. Viele ließen sich durch ein solches Datum zu einer Hochzeit verleiten, obwohl sie noch nicht so weit seien – vor allem Paare, die ihre Beziehung gern nach außen demonstrieren.

Solche Datumsperfektionisten könnten dazu neigen, „ihre Glückserwartungen an eine übergeordnete Instanz abzugeben, anstatt die eigenen inneren Stärken einzusetzen und die Liebe zu pflegen“, sagt auch die Hamburger Psychologin Angela Irslinger. Sie warnt vor naivem Glauben an Zahlensymbolik. Zwei Drittel aller Ehen etwa, die am 9. 9. 1999 in Berlin geschlossen wurden, sind wieder geschieden. Schnapszahl-Hochzeit? Schnapsidee!

Das bindungswillige Volk kümmert’s nicht – es lässt sich im 15-Minuten-Takt durch Standesämter schleusen. 1999 wollte ein Düsseldorfer unbedingt am 9. 9. heiraten. Er ließ sich schon ein Jahr im Voraus den Termin reservieren, obwohl er noch Single war. Ein Jahr später hatte er noch keine Braut gefunden – und musste traurig wieder absagen. Dafür kamen am 9. 9. 2009 in Los Angeles neun Paare für je 99 Cent an Kasse 9 einer Filiale der Supermarktkette „99 Cents Only“ unter die Haube. Über die Haltbarkeit der Discounterehen ist nichts bekannt.

Auch für den Freitag kommender Woche sind die Standesämter auf Massenandrang eingestellt. Hannover meldet: ausgebucht. „Der Andrang ist groß“, sagt Sprecher Udo Möller. 57 Paare sind angemeldet, normal sind rund 20. In Köln (wo um 11.11 Uhr ja auch noch der Karneval beginnt) haben sich 133 Paare angekündigt, viele kommen im Kostüm. „Schon in der Nacht zum 11. Mai, als das Aufgebot bestellt werden durfte, schliefen einige Paare vor dem Standesamt“, sagt Amtsleiterin Angelika Barg.

In Nürnberg ist bei 60 Paaren Pünktlichkeit Pflicht („Auf vergessene Trauzeugen, Omas und Ringe können wir nicht warten“). Auch Kiel, Lübeck, Stuttgart, Bremen und Leipzig melden: Nichts geht mehr. Nächste Chance für Datumsfetischisten: der 12. 12. 2012. Danach ist Feierabend. Für lange Zeit.

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