Forschungsprojekt

Schritte auf dem Mars: Moskauer Experiment am Ziel

- Sie sind am Ziel: Das Weltraum-Forschungsprojekt Mars500 hat den Roten Planeten erreicht. Schon an diesem Montag betritt erstmals ein Mensch den Mars - zumindest virtuell. Wissenschaftler auch in Deutschland sind begeistert über die Ergebnisse des Experiments.

Langsam öffnet sich die Tür, dann schiebt sich ein Mensch unbehende im Raumanzug ins Bild - ein Schritt, und der Raumfahrer steht auf dem Mars. Was nach einer wilden Zukunftsvision klingt, wird an diesem Montag in Moskau Wirklichkeit - zumindest virtuell. Mars500, wie sich das umfassendste und anspruchvollste Experiment in der Geschichte der Raumfahrt nennt, ist am Ziel angekommen. Nach rund 250 Tagen Isolation sind sechs „Raumfahrer“ auf dem Gelände des Instituts für biomedizinische Probleme (IMBP) in Moskau am Computer auf dem Roten Planeten gelandet.

„Mars500 ist heute nur eine bereichernde Simulation“, erzählt Simonetta Di Pippo, Direktorin für die bemannte Raumfahrt bei der Europäischen Weltraumbehörde ESA. „Aber wir arbeiten daran, dass sie Wirklichkeit wird.“ Etwa 520 Tage - daher der Name des Experiments - dauert der mehr als 50 Millionen Kilometer weite Flug zum Mars und wieder zurück, einberechnet ein 30-tägiger Aufenthalt. Die sechs Teilnehmer aus Russland, Frankreich, Italien und China beteiligen sich im Dienste der Wissenschaft an zahlreichen Forschungsstudien. Sie geben regelmäßig Blut und Urin ab und lassen sich wie bei der TV-Show „Big Brother“ rund um die Uhr via Kameras beobachten.

„Wie formt sich ein Kollektiv? Das ist eine Frage, die bei einem wirklichen Marsflug zentral wird“, sagt Boris Morukow, der russische Direktor bei Mars500. Deutsche Wissenschaftler sind begeistert. Bereits die vergangenen Monaten hätten wertvolle Informationen für die Stressforschung ergeben, erzählt Alexander Choukèr von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. „Dabei ist erst Halbzeit.“

Choukèr weist darauf hin, dass die Bedingungen auf der Marsoberfläche und ihre Auswirkungen auf das menschliche Immunsystem bisher noch unzureichend erforscht sind. „Jeder Flug oder gar Kolonisierungsversuch auf Mond oder Mars muss sich gewaltigen Herausforderungen stellen“, betont der Wissenschaftler. Ergebnisse erhoffen sich die Forscher von Mars500. Lediglich die Schwerelosigkeit des Weltalls können sie nicht nachstellen, alles andere soll so realitätsnah sein wie möglich. Die Verbindung zur „Erde“ etwa funktioniert erst wieder reibungslos, wenn das „Raumschiff“ nahe genug ist.

Nach der virtuellen Landung sind nun insgesamt drei Außeneinsätze geplant. Dafür hatte sich die Crew aufgeteilt - nur der Russe Alexander Smolejewski, der Italiener Diego Urbina sowie Wang Yue aus China kommen in den Genuss einer Mars-Erkundung. Smolejewski wird so der erste Mensch auf dem Roten Planeten. Dort müssen die „Marsianer“ nach Wasser suchen, Bodenproben nehmen und einen Verletzungsfall simulieren. Und wer weiß - vielleicht wartet auch noch die ein oder andere Überraschung auf die Probanden, erzählt Morukow.

Wenn sich die Luke öffnet, tasten sich die Männer Schritt für Schritt voran, erzählt IMBP-Sprecher Mark Belakowski. „Auf dem Mars ist es ja viel dunkler als auf der Erde.“ Licht kommt lediglich von Sternbildern - mit LED-Lämpchen an die Decke geworfen - sowie einer Hilfsleuchte der „Landefähre“. Auf dem Gelände ist die Marslandschaft möglichst detailgetreu nachempfunden - dabei bewegen sich die „Raumfahrer“ doch nur in einem röhrenförmigen Containersystem.

Nach der „Isolation in der Isolation“, wie Peter Gräf vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Mars-Landung nennt, „fliegen“ die Probanden dann mit ihren drei Kollegen zurück zur Erde. Diese Phase bis zur Landung am 4. November werde die schwierigste des gesamten Projekts, warnen die Forscher. Es droht Monotonie. Allein: Die Besatzung sieht auch die Vorteile. „Die 250 Tage, in denen wir alles genau nach Menü essen mussten, sind vorbei“, jubelt Mars500-Teilnehmer Urbina via Twitter. Das entsprechende Experiment ist bereits beendet.

dpa

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