Naturschutz in Niedersachsen

Sinn und Unsinn der Gänsejagd

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Foto: Stimmungsmache oder Notwendigkeit? Über die Gänsejagd in Niedersachsen wird heftig diskutiert.

Hannover - Die Diskussion um Sinn oder Unsinn der Jagd auf Gänse nimmt kein Ende. Naturschützer fordern jetzt mehr Sachlichkeit in der oft polemisch geführten Debatte.

Naturschützer haben Forderungen zur Beibehaltung der Jagdpraxis auf Gänse in Niedersachsen als Stimmungsmache kritisiert. Die Diskussion um Gänsejagd, angeblich überhöhte Bestandszahlen und etwaige Schäden durch die Tiere müsse endlich versachlicht werden, mahnte der Naturschutzbund Nabu am Mittwoch. „Hier wird aus unserer Sicht oft eine Mücke zum Elefanten gemacht“, erklärte der Nabu-Landesvorsitzende Holger Buschmann in Hannover. Landwirte und Jagdvertreter vor allem aus Ostfriesland hatten sich in den vergangenen Monaten mehrfach gegen eine vom Land geplante Einschränkung der Jagd ausgesprochen.

Seit Jahren protestieren Naturschützer im Wattenrat Ostfriesland gegen die Jagd auf nordische und arktische Gänsearten. Eine ehrenamtliche Gänsewacht beobachtet akribisch das Verhalten von Jägern in Naturschutzgebieten wie dem Petkumer Deichvorland bei Emden und dem Vogelschutzgebiet Emsmarschen von Leer bis Emden. Der Streit um Jagdverstöße hat bereits zu Gerichtsverfahren geführt, die jedoch stets zugunsten der Jäger ausfielen.

In vielen geschützten Rast- und Brutgebieten wie im Rheiderland müsse ein Jagdverbot herrschen, forderte nun auch der Nabu. Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen ließen sich durch die Gänsejagd ohnehin nicht reduzieren. Nach Untersuchungen gibt es geringere Erträge nur dort, wo Nonnengänse in großen Zahlen auftreten. Diese dürften jedoch nach der EU-Vogelschutzrichtlinie europaweit nicht bejagt werden.

Niedersächsische Landwirte erhalten nach Nabu-Angaben landesweit über den Vertragsnaturschutz bedeutende Zahlungen. Demnach werden jährlich 5,7 Millionen Euro an die Landwirte für den Gänseschutz ausgezahlt. „Es macht keinen Sinn, die Gänse dann von diesen Flächen, die extra für sie bezuschusst werden, durch jagdliche Aktivitäten auf andere Flächen zu vertreiben“, kritisierte Buschmann.

dpa

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