Gewaltige Eruptionen

Sonnensturm könnte Stromversorgung und GPS stören

Hannover - Auf der Sonne toben derzeit heftige Stürme, die sogar Einfluss auf den Alltag auf der Erde haben können. Menschen sind nach Angaben von Wissenschaftlern allerdings nicht gefährdet. Das für die Telekommunikation wichtige GPS könnte hingegen gestört werden, sagen Experten.

Auf der Sonne ist derzeit die Hölle los. Unser Fixstern schleudert geladene Partikel und gigantische Plasmawolken ins All. Der Sonnensturm könnte Auswirkungen auf der Erde haben. Satelliten könnten lahmgelegt und der GPS-Empfang und die Stromversorgung gestört werden. Möglicherweise müssten sogar Flugzeuge umgeleitet werden, warnt die US-Weltraumbehörde Nasa.

Das Feuerwerk aus elektromagnetischer Strahlung begann am Dienstagmorgen westeuropäischer Zeit. Satelliten hätten die faszinierenden Aufnahmen geliefert, sagt Achim Gandorfer, Sonnenphysiker am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau im Harz. „Es handelt sich um einen besonders großen Ausbruch“, berichtet der Forscher, den heftigsten seit 2006.

Die freigesetzte Wolke aus elektrisch geladenem Gas, von Forschern als koronaler Massenauswurf bezeichnet, besteht vor allem aus Wasserstoff und Helium und hat einen Durchmesser von mehreren Millionen Kilometern. Von der Erde aus ist die Eruption allerdings nicht zu sehen. Der Sturm rast mit einem Tempo von mehreren Tausend Kilometern pro Sekunde auf die 150 Millionen Kilometer entfernte Erde zu und erreichte gestern Abend unseren Planeten.

Gestörter Handyempfang

Doch die Auswirkungen werden sich in Grenzen halten, vermuten die Wissenschaftler. Die Wolke werde die Erde nicht frontal treffen, sondern nur streifen, erklärt Gandorfer. Dies ergebe sich aus dem Ort der Eruption am linken unteren Rand des Sonnenballs. Die Nasa stuft den Sonnensturm daher als mittelstark ein.

Die rasenden elektrisch geladenen Teilchen können dennoch erhebliche Schäden anrichten. „Sonnenstürme sind zwar etwas völlig Normales, aber unsere zunehmend technisierte Gesellschaft wird immer verwundbarer“, sagt Gandorfer. Elektronisch gesteuerte Geräte reagieren sehr empfindlich auf die elektrisch geladenen Teilchen. Besonders gefährdet sind Satelliten, da diese sich außerhalb des elektromagnetischen Schutzschildes der Erde bewegen. „Telekommunikation, GPS, alles basiert auf Satelliten. Ein Treffer kann zu riesigen volkswirtschaftlichen Schäden führen“, sagt Gandorfer. Jährlich würden mehrere Satelliten durch Sonnenstürme beschädigt oder fielen ganz aus. Daher wird die Vorhersage des solaren Hustens, an der die Katlenburger forschen, immer wichtiger.

Im europäischen Satellitenkontrollzentrum (Esoc) in Darmstadt hat man auf den jüngsten Ausbruch bereits reagiert. An wissenschaftlichen Satelliten seien Störungen aufgetreten, Telekommunikationssatelliten seien noch nicht betroffen, berichtet eine Sprecherin. Vorsichtshalber habe man aber sensible Instrumente in einigen Satelliten abgeschaltet. Schwer vorherzusagen sei, ob weitere Satelliten abgeschaltet werden müssen. Auswirkungen auf den Flugverkehr gab es nach Angaben der Deutschen Flugsicherung bis zum Abend keine.

In Kanada hat man die Kraft der Sonneneruptionen schon einmal drastisch zu spüren bekommen. 1989 legte ein Magnetsturm die Stromversorgung in der Provinz Quebec für sechs Tage lahm. Damals wurde die Erde frontal getroffen.

Sonnenstürme sind ein normales Zeichen der solaren Aktivität, die in einem etwa elfjährigen Zyklus zu- und wieder abnimmt. Die jüngste Ruhephase dauerte allerdings zwei bis drei Jahre länger. Einige Klimaforscher rechneten schon mit einer Abkühlung. Vor 400 Jahren soll eine solche 40-jährige Ruhephase der Sonne eine kleine Eiszeit ausgelöst haben. Doch seit etwa zwei Jahren brodelt es wieder in der Sonne, folglich werden die Magnetstürme heftiger. Die treibende Kraft dahinter sind die Magnetfelder der Sonne. Sie verursachen die dunklen Sonnenflecken in der Korona, das sind kühlere Stellen, die man von der Erde als dunkle Flecken sieht, und immer wieder auch gewaltige Eruptionen, sogenannte Flares. Die Erde ist gegen die Teilchenwolken durch ihr Magnetfeld geschützt. Menschen sind daher nicht gefährdet. Im Norden und Süden des Erdballs entwickeln sich während eines Sonnensturms besonders spektakuläre Polarlichter.

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