Studie

Streit ums Erbe in jedem sechsten Fall

- Krach unter Erben ist keine Seltenheit. Und in Ostdeutschland wird deutlich weniger vererbt als im Westen. Das sind zentrale Ergebnisse einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Postbank, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Bei jeder sechsten Erbschaft in Deutschland (17 Prozent) gibt es demnach Streit unter den Hinterbliebenen. Als häufigste Ursache nannten die Befragten, dass „einige Erben sich benachteiligt fühlten“ - 73 Prozent jener, die schon einmal geerbt haben und bei denen es zu Streit kam, gaben dies an.

57 Prozent aus dieser Gruppe berichteten, die Hinterbliebenen seien schon vor dem Erbfall zerstritten gewesen. Etwa jeder Zweite nannte die Entstehung einer Erbengemeinschaft (52 Prozent) und ein fehlendes gültiges Testament (47 Prozent) als Streitursache. Bei dieser Frage waren mehrere Antworten erlaubt.

Ein Drittel der Befragten (32 Prozent) gab an, schon mindestens einmal geerbt zu haben. Dabei ist der Anteil in Ost- und Westdeutschland exakt gleich. 23 Prozent von allen erwarten, in einigen Jahren etwas zu erben. Dabei ist der Anteil potenzieller Erben in Westdeutschland (25 Prozent) deutlich größer als im Osten (14 Prozent).

Der Wert geerbter Vermögen ist laut Studie in Westdeutschland deutlich höher als in Ostdeutschland. Im Westen haben 19 Prozent aller Erbschaften einen Wert von mehr als 100.000 Euro. Im Osten fallen nur knapp 3 Prozent in diese Kategorie.

Die gesetzlichen Regeln zu Erbschaften sind vielen nicht bekannt. Die Umfrage zeigte große Wissenslücken. So glauben lediglich 50 Prozent der Befragten, über die gesetzliche Erbfolge „recht gut Bescheid“ zu wissen. 42 Prozent sagen dies über ihre Kenntnisse über Testamente, 35 Prozent über jene zum sogenannten Pflichtteil. Das Allensbach-Institut hatte im März 1800 Bundesbürger ab 16 Jahren befragt.

Im kommenden Jahr wird in Deutschland ein Zentrales Testamentsregister eingeführt. Amtsgerichte und Notare übermitteln dann dorthin elektronisch, dass sie ein Testament oder einen Erbvertrag aufbewahren. Stirbt der Erblasser, benachrichtigt das Standesamt des Sterbeortes das Register. Dort wird geprüft, ob es ein Testament gibt. Das Nachlassgericht erfährt dann, ob es eines gibt - und wenn ja, wo es verwahrt wird. Bislang müssen Nachlassgerichte oft mühsam bei den Standesämtern klären, ob ein Gestorbener derartige Dokumente hinterlassen hat.

dpa

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