Wonnemonat Mai

Auf der Suche nach der Ursache für Frühlingsgefühle

- Die Röcke sind kürzer, die Tage werden länger und die Hormone spielen verrückt: Der Mai ist der Monat der Frühlingsgefühle. Woher das Feuerwerk in unserem Körper kommt, darüber spekulieren Experten noch. Doch die meisten Babys zeugen die Deutschen in einem anderen Monat.

Es ist Mai, der Wonnemonat der Liebe und der Frühlingsgefühle. Nie scheinen mehr knutschende Pärchen im Sonnenuntergang auf Parkbänken zu sitzen als jetzt. „Fest steht: Im Frühling verändert sich die Hormonzusammensetzung in unserem Körper“, sagt Onno E. Janßen, Hormonmediziner in Hannover. Seit Jahren sind die Wissenschaftler auf der Suche nach der genauen Ursache für die Frühlingsgefühle. Zwar gibt es Vermutungen über die Auslöser, aber Studien konnten bisher keine eindeutigen Antworten geben.

Hormonmediziner Janßen glaubt, dass die Überflutung mit neuen Reizen wie Sonnenschein und Blumenduft oder die innere Jahreszeitenuhr Ursache für dieses ganz besondere Gefühl sein könnte - diese Mischung aus Kribbeln im Bauch, neuer Energie und Lust auf Liebe.

„Der Frühling steigert unsere Dopamin-Produktion“, erklärt Janßen. Im Volksmund ist das Hormon als Glückshormon bekannt. „Studien vermuten, dass Dopamin die Sexualfunktion anregt und unsere sexuelle Lust verstärkt“, meint Janßen. Auch die geringere Produktion von Melatonin wirke sich auf unsere Energie aus: „Das Hormon kann nur im Dunkeln gebildet werden, denn es ist zuständig für unseren gesunden Schlaf“, sagt Janßen. Je mehr Sonnenschein, desto weniger Melatonin und desto fitter fühlen wir uns.

Zu mehr Schwangerschaften führt die veränderte Hormonproduktion bei uns Menschen allerdings nicht - im Gegenteil: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes werden die wenigsten Babys des ganzen Jahres im Februar geboren, zwischen rund 50.000 und 55.000 in den letzten zehn Jahren. Termin der Zeugung war dann zumeist neun Monate zuvor der Wonnemonat Mai. „Wir Menschen finden im Frühling eher unseren Partner“, erklärt Janßen. „Während viele Tiere sich gleich bespringen, ist die Paarung beim Menschen ein längerer sozialer Prozess.“

Durchschnittlich 10.000 Babys mehr als im Februar bringen die deutschen Frauen im Juli und August zur Welt. Kinder, die also in den kalten und nassen Oktober- und Novembertagen gezeugt wurden. „Da kuscheln wir uns gern zusammen“, meint Janßen. In Niedersachsen sehen die Zahlen ähnlich aus: Im Jahr 2009 erblickten knapp 5900 Babys im Juli das Licht der Welt, nur rund 4700 dagegen im Februar.

Frühlingsgefühle habe es sicher schon immer gegeben, meint der Literaturwissenschaftlicher Alexander Kosenina von der Universität Hannover. „Aber erst in der Romantik wurden sie richtig wahrgenommen.“ Lustvoll haben die Dichter des 18. Jahrhunderts ihren Gefühlen freien Lauf gelassen - gerade auch im Mai. Wie zum Beispiel der romantische Schriftsteller Clemens Brentano: „Süßer Mai, du Quell des Lebens/ Bist so süßer Blumen voll/ Liebe sucht auch nicht vergebens/ Wem sie Kränze winden soll“, schrieb er.

Das große ungelöstes Rätsel der Endokrinologie, der Hormonwissenschaft, ist es, welche Ursache unsere Hormonveränderungen im Frühling haben: Ob die vielen äußeren Reize für das „sensorische Kanonenfeuer“, wie es Janßen nennt, zuständig sind. Oder ob die Hormone durch die jahreszeitlichen Rhythmen unseres Organismus automatisch schwanken. Janßen vermutet eine Synthese: „Etwas schlummert in uns, das unsere Hormone verändert - und das wird durch den Frühling mit all seinen Reizen noch verstärkt.“

dpa

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