500.000 Menschen in Deutschland betroffen

Suchtpotenzial: Online-Spiele und Cybersex

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Studien zufolge sind inzwischen mehr als eine halbe Million Menschen in Deutschland internetabhängig.

Hemer - Mediziner diskutieren über Modediagnosen: Was ist real, was ist Einbildung? Onlinespiel- oder Cybersexsucht halten Experten inzwischen für sehr real.

Das Internet beschert auch Medizinern immer neue Arbeitsfelder. Denn Online-Computerspiele, Cybersex und soziale Netzwerke können Suchtpotenzial bergen. Zur Ambulanz für Internetabhängige inBochum kommen zum Beispiel jede Woche vier bis fünf neue Patienten, auch in vielen anderen Städten gibt es inzwischen solche Hilfsangebote. „Die mit Abstand größte Gruppe kommt aus dem Bereich der Onlinespiele“, berichtet der Arzt und Psychotherapeut Bert te Wildt von der Bochumer Ambulanz für Internetabhängige amFreitag in Hemer. Dort diskutierten Experten bei einer Tagung über „Modediagnosen in der Psychiatrie“.

Studien zufolge sind inzwischen mehr als eine halbe Million Menschen in Deutschland internetabhängig. Meist seien es männliche Jugendliche und junge Männer, die Onlinespielen verfielen. Sie drohten im realen Leben, in der Schule oder im Job zu scheitern. „Die Betroffenen ziehen sich ins Internet zurück und finden in manchen Fällen von selbst nicht mehr heraus“, berichtet Bert te Wildt, der an der Bochumer Uniklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe arbeitet.

Reale Erfahrungen würden immer seltener. „Das Internet ist dann der einzige Ort, in dem sie dann noch etwas Positives erleben können“, ergänzt er. Die Abhängigkeit entstehe vor allem, weil man online auch Kontakt zu Mitspielern habe und die Spielehersteller es verstünden, immer neue virtuelle Welten und Spiellevel zu bieten. „Man kann dort unendlich lange spielen und Anerkennung als Held finden.“

Besessen von Cybersex seien vor allem Männer mittleren Alters. Sie sähen und sammelten ständig Pornografie im Netz. Meist gehe es nicht um Kontakte. Häufig sei das Gegenteil der Fall, eine Art Ersatzsuche, wenn bestimmte sexuelle Neigungen nicht ausgelebt werden könnten.

Die Abhängigkeit von sozialen Netzwerken betreffe dagegen eher junge Frauen. Sie könnten sogar leichte psychische Entzugserscheinungen entwickeln, wenn sie einmal für einen Moment nicht online seien.

dpa

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