Polarforschung

Tauende Permafrostböden verändern Klima und Regionen

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Der Wissenschaftler Hugues Lantuti steht auf Herschel Island, Kanada, vor einer Wand im Permafrostboden. In den bislang gefrorenen Böden ist sehr viel klimaschädliches Kohlendioxid gebunden.

Hamburg - Immer mehr Dauerfrostböden tauen - und entlassen so Treibhausgase in die Atmosphäre. Auswirkungen seien auch in Deutschland von Jahrzehnt zu Jahrzehnt stärker spürbar, sagt Polarforscher Hugues Lantuit.

Noch schlummern riesige Mengen Kohlenstoff unter einer dicken Eisschicht. Doch weltweit tauen immer mehr Dauerfrostböden auf. Dabei geben sie mit Hilfe von Bakterien die kohlenstoffhaltigen Treibhausgase Methan und Kohlendioxid (CO2) ab. Das heizt die Atmosphäre auf - und setzt so einen gefährlichen Dominoeffekt in Gang. Anlässlich eines Spitzentreffens europäischer Permafrost-Forscher, das an diesem Mittwoch in Hamburg beginnt, sprach die Nachrichtenagentur dpa mit dem Polarforscher Hugues Lantuit vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven.

Wie hängen Permafrostböden mit dem Treibhauseffekt zusammen?

Lantuit: „Die Forschung geht davon aus, dass Permafrostböden doppelt so viel Kohlenstoff enthalten, wie sich heute in der Atmosphäre befindet. Die Temperaturen dieser Erdschichten haben sich in den vergangenen 30 Jahren um bis zu zwei Grad erhöht. Sie tauen an der Oberfläche auf. Dort wandeln Mikroben den gespeicherten Kohlenstoff um und geben die Gase CO2 und Methan in die Atmosphäre ab.“

Welche Gefahren drohen, wenn sich der gespeicherte Kohlenstoff sozusagen in Luft auflöst?

Lantuit: „Bis zum Jahr 2100 könnte so viel Kohlenstoff in die Atmosphäre gelangen, wie die Hälfte aller Brennstoffemissionen seit Anfang der Industriellen Revolution. Wir würden davon nicht sofort etwas mitbekommen, weil wir Luft nicht riechen können. Die Auswirkungen der auftauenden Permafrostböden würden wir aber auch in Deutschland von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer stärker in Kombination mit anderen Effekten des Klimawandels zu spüren bekommen.“

Welche Länder werden diese Veränderungen vor Ort bemerken?

Lantuit: „Besonders betroffen wären Regionen wie Finnland, Süd-Quebec und Süd-Sibirien. Dort werden die Böden an der Oberfläche relativ tief, bis zu fünf Metern, auftauen. Im russischen Jakutsk stehen viele Häuser auf Pfeilern. Sie sind im Eisboden verankert. Weil die Permafrostböden aber bei einer Temperatur von minus eins bis null Grad schon aufgetaut sind, sind einige Gebäude dadurch bereits eingestürzt oder beschädigt worden.“

dpa

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